Anschlussfähigkeit erhöhen

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Verfasst von Schnittmenge am 11. Mai 2011 - 18:23.

Die Luhmannsche Systemtheorie ist einsame Spitze zur Beobachtung und Erklärung des komplexen Systems Gesellschaft. Die Systemtheorie baut auf Differenzen auf und beendet die Diskussion über die Subjekt-Objekt-Unterscheidung, in dem es sich, im übertragenden Sinne das Prädikat herauspickt. => Die Systemtheorie besteht aus sich selbst erzeugende Systeme (autopoietische Systeme).
 
Diese Systemtheorie bedarf einer langen und hartnäckigen Auseinandersetzung, die Sprache ist trocken und widerspricht unserer Erfahrungswelt, so dass dieser Wissensschatz von vielen nicht gehoben wird und ungenutzt bleibt. Meiner Meinung nach können Teilaspekte der Systemtheorie anschlussfähiger gestaltet werden, in dem einerseits eine einfachere – ja, und damit ungenauere – Sprache für entsprechende Anwendungsfälle angepasst wird und andererseits Kenntnisse aus anderen Disziplinen an die Systemtheorie angeschlossen werden.

 

Andere Disziplinen an die Systemtheorie anschließen

„ ... der Mensch interessiert mich nicht, wenn ich das so hart sagen darf."
Niklas Luhmann [Texte zur Kunst, Vol.I, Herbst 1991, No.4, S. 121-133, http://www.hgb-leipzig.de]

Es war eine geniale Idee von Herr Luhmann den komplexen Menschen in die Umwelt des sozialen Systems zu verweisen, dies hat die Beobachtbarkeit der Gesellschaft deutlich erhöht. Doch wer steht einem näher als wir uns selbst? Jeder Mensch hat seine eigene Leinwand, wo sich das „ganze Theater“ abspielt. Wir reden hier gerade vom psychischen System - vom Bewusstsein. Was sagen die Bewusstseinsforscher zu ihrem Thema Bewusstsein?
Wie die Systemtheorie gehen die Bewusstseinsforscher auch von Differenzen aus, doch ihre Erklärungen verwenden andere Wörter. Sie reden unter anderem von Phänomenen und Kohärenz:
 
Der Mensch erfährt die Realität an sich nicht, sondern ihm erscheinen nur Phänomene. Das Kriterium, welches bei der Behandlung eines Phänomens zur Verfügung steht, ist die Kohärenz, die dann als vereinheitlichtes Gesamtphänomen zu betrachten ist. (Metzinger, 2009)
 
Auch diese Sprache ist kompliziert. Anwender freundlich formuliert:
Eine Person orientiert sich an der Schlüssigkeit seines eigenen Weltbildes. Es gibt vier Arten das eigene Weltbild schlüssig zu halten:

  • Durch selektive Wahrnehmung wird das, was nicht in das eigene Weltbild passt ignoriert und das, was passt herausgepickt. (Politik interessiert mich nicht, Fußball schon.)
  • Durch Recht behalten: Das eigene Weltbild wird verteidigt oder durchgesetzt. (Gaddafi verteidigt sein Weltbild.)
  • Durch Bestätigung: Man bevorzugt den Kontakt zu Menschen, die einem das eigene Weltbild bestätigen. (Mein Freud hat mich lieb, so wie ich bin.)
  • Durch Erweiterung: Wenn etwas nicht in das eigene Weltbild passt, so muss man es entsprechend erweitern, damit es wieder schlüssig ist. (Mal sehen, wie Sie lieber Leser, die menschliche Selbststeuerung in Ihr eigenes Weltbild einbauen.)
     

Sprache an Anwendungsfälle anpassen

Konzepte aus der Systemtheorie können zur Entwicklung von Instrumenten und Modellen verwendet werden, die das Leben der Betroffen vereinfachen, ohne dass sie sich zuvor den Strapazen der luhmannschen Systemtheorie aussetzen müssen.
 
Picken wir uns das Thema Steuerung heraus. So sind menschliche, kollektive und globale Steuerung nützliche Anwendungsfälle. Doch die Systemtheorie verneint die Steuerbarkeit von Systemen und hat den Menschen aus dem sozialen System ausgeklammert. Diese Antworten sind unbefriedigend, so unbefriedigend wie auch so mache Managementtheorien im Umgang mit der Komplexität sind. Doch aus der Anwendungsfall-Perspektive kann das Wissen der Systemtheorie mit dem Wissen aus anderen Fachbereichen zu einer neuen Anwendersprache fusionieren. Einer Sprache, welche schneller die Kompetenz zur Selbststeuerung vermittelt soll als der Abstieg in die Tiefen der Ursprungstheorien.
 
Ich bin so frei und versuche eine Anwender freundliche Sprache für diese drei Anwendungsfälle zu erarbeiten:

  • menschliche Selbststeuerung
  • kollektive Selbststeuerung von Gruppen, Organisationen, Firmen, etc.
  • globale Selbststeuerung - Siehe Global Governance =>

 

Jeder ist eingeladen, bei diesem Projekt mitzumachen. E-Mail ist in der Fußzeile zu finden.



Diskussion

Verfasst von System am 13. Mai 2011 - 9:14.

Beim Drüberhinwegfliegen ist mir nur aufgefallen, dass die Verbindung zu Luhmann nicht begründet wird, auch konkret in welchem Buch und wo er das schreibt worauf sich das bezieht.

Hier nur ein paar kleine unwesentliche Hinweise.

Selektion (was hat das mit Weltbild zu tun, wo steht das bei Luhmann? Was soll ein "Weltbild" sein? Das ist Psychologie, nicht Soziologie. Ein Weltbild ist ein zu abstrakter Wertbegriff, bei dem alles zugeschrieben werden kann. Das dient der Gefolgschaft, aber nicht der Erarbeitung von Handlungsmaßnahmen, es sein denn der Begriff wird konkret genung (messbar) runtergebrochen.

Recht behalten Recht ist ein eigenes System und hat mit dem psychischen System nichts zu tun. Wo steht das bei Luhmann? Recht bekommen und es meinen zu haben sind 2 unterschiedliche Paar Schuhe und psychisch verankert.

Bestätigung (Konstruktivismus?) Nein, man bevorzugt Familienmitglieder und ArbeitskollegInnen, auch wenn man sie nicht mag. Das ist soziologisch empirisch vermutlich abgesichert.

Erweiterung (warum sollte man das erweitern müssen? Es würde vermutlich die Autopoiesis gefährden....)

der Markt steuert nicht, kann er gar nicht. Er ist wie das Publikum für die Politik ein Beobachtungsspiegel für die Wirtschaft. Das hat/konnte Willke nicht genau genug erarbeiten. Das Märchen von der "unvisible hand" von Smith ist spätestens seit den Weltwirtschaftskrisen, der massiven Arbeitslosigkeit/Hartz IV gestorben. Das würde sich selbst ein Wirtschaftswissenschaftler nicht mehr trauen. Hat der Markt die letzte Wirtschaftskrise verhindert? Oder war es nicht vielleicht doch die Politik mit massiven Geld, mit dem sie den Staat verschuldet hat, um dann die Banken zu retten?

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Beim Drüberhinwegfliegen

Verfasst von Schnittmenge am 16. Mai 2011 - 12:58.

Beim Drüberhinwegfliegen ist mir nur aufgefallen, dass die Verbindung zu Luhmann nicht begründet wird, auch konkret in welchem Buch und wo er das schreibt worauf sich das bezieht.

Ich erlaube mir an die Theorie von Herr Luhmann anzuschließen, womit es keine zitierbare Textstelle gibt, da dies neue Gedanken sind. Es gibt verschiedene Verbindungswege, zwei habe ich herausgestellt:

Brücke psychologisches System
Das Wort Bewusstsein hat innerhalb der Systemtheorie eine andere Bedeutung, wie innerhalb der Bewusstseinsforschung. Doch erlaubt diese gemeinsame Schnittmenge eine Brücke von einer „menschenlosen“ Systemtheorie, zu unseren persönlich erlebten Phänomen zu bauen. Das ist sehr spannend, zum einen tauchen, versteckt hinter einer ganz anderen Sprache, weitere Gemeinsamkeiten auf (Ausgangsbasis: Differenz) und zum anderen kann über diese Hintertür der Mensch in die Systemtheorie rein und rausgehen.

Brücke Anwendungsfall
Auf der einen Seite, habe ich innerhalb der Systemtheorie keine Hinweise gefunden, wie ich mein Leben steuern sollte, auf der anderen Seite zeigt die Systemtheorie wie Systeme in einer komplexen Umwelt entstehen und überleben. Wäre es nicht schön Prinzipien der Selbststeuerung für sich selbst, Gemeinschaften und Gesellschaft herauszuarbeiten? Ich halte es für einen Versuch wert. Das Kriterium ist nicht mehr die Schlüssigkeit der Theorie, sondern die Effektivität innerhalb eines bestimmten Anwendungsfalles. Dieser Ansatz erlaubt es Wissen aus verschiedenen Theorien zu mischen und in einer anwenderfreundlichen Sprache neu zu präsentieren.

Selektion (was hat das mit Weltbild zu tun, wo steht das bei Luhmann? Was soll ein "Weltbild" sein? Das ist Psychologie, nicht Soziologie. Ein Weltbild ist ein zu abstrakter Wertbegriff, bei dem alles zugeschrieben werden kann. Das dient der Gefolgschaft, aber nicht der Erarbeitung von Handlungsmaßnahmen, es sein denn der Begriff wird konkret genung (messbar) runtergebrochen. .

Richtig, Weltbild hat nichts mit Luhman zu tun, das kommt eher aus der Bewusstseinsforschung. „World-modul“ und „Self-modul“ sagt Metzinger, doch wie diese Wörter genau übersetzt wurden, kann ich gerade nicht nachschauen. Richtig, ist auch das man einem Weltbild „alles“ zuschreiben kann. Das macht jeder auf seine Weise, der Punkt ist, dass wir uns an der Schlüssigkeit unserem eigenem Weltbild orientieren, das ist bei allen gesunden Menschen gleich, egal wie verschieden die Weltbilder untereinander sind. Hier sind vier Handlungsmaßnahmen vorgestellt worden, wie man sein eigenes Weltbild schlüssig halten kann. Das heißt mögliche Differenzen reduziert.

Recht behalten Recht ist ein eigenes System und hat mit dem psychischen System nichts zu tun. Wo steht das bei Luhmann? Recht bekommen und es meinen zu haben sind 2 unterschiedliche Paar Schuhe und psychisch verankert. .

Hier geht es nicht um die Systemtheorie, sondern darum, wie man sein eigenes Weltbild schlüssig hält. Fühle ich mich im Recht, sehe ich mein Weltbild als das richtige an, so ist es eine Machtfrage, ob ich diese gegenüber anderen durchsetzen kann. Die Reden die Gaddafi hält sind für ihn selbst schlüssig (meint Recht zu haben), und es ist für ihn nur eine Machtfrage, diese durchzusetzen (Recht zu bekommen).

Bestätigung (Konstruktivismus?) Nein, man bevorzugt Familienmitglieder und ArbeitskollegInnen, auch wenn man sie nicht mag. Das ist soziologisch empirisch vermutlich abgesichert. .

Aufpassen! Wir sind nicht völlig frei in der Wahl unserer Kontakte, deshalb muss man das Konzept der Bestätigung positiv wie auch negativ sehen. „Schon wiedermal hat der Chef falsch entschieden.“

Erweiterung (warum sollte man das erweitern müssen? Es würde vermutlich die Autopoiesis gefährden....)

Irritationen, die nicht in das Weltbild passen kann man durch erweitern des eigenen Weltbildes verarbeiten, muss man aber nicht. Dies ist nur eine Variante, man könnte auch einfach diese Irritation übersehen (selektive Wahrnehmung), sein Weltbild durchsetzen (Recht behalten) oder der Person, die einem irritiert, aus den Weg gehen.

der Markt steuert nicht, kann er gar nicht. Er ist wie das Publikum für die Politik ein Beobachtungsspiegel für die Wirtschaft. Das hat/konnte Willke nicht genau genug erarbeiten. Das Märchen von der "unvisible hand" von Smith ist spätestens seit den Weltwirtschaftskrisen, der massiven Arbeitslosigkeit/Hartz IV gestorben. Das würde sich selbst ein Wirtschaftswissenschaftler nicht mehr trauen. Hat der Markt die letzte Wirtschaftskrise verhindert? Oder war es nicht vielleicht doch die Politik mit massiven Geld, mit dem sie den Staat verschuldet hat, um dann die Banken zu retten? .

Richtig, das Steuerungsmodell „Markt“ kommt von Willke:
Das Steuerungsmodell Markt realisiert ein Ziel, das niemand vorgibt: gemeinsamer Wohlfahrtsgewinn und optimierte Nutzung sowie die Verteilung vorhandener Ressourcen. Dieses Ziel wird nicht von einzelnen Marktteilnehmer verfolgt, sondern diese orientieren ihr Handeln nach egoistischen Eigeninteressen. Doch es gibt auch berechtigte Kritik am Marktmodell. Es bedarf nicht nur notwendige Voraussetzungen für ein Funktionieren des Marktes, sondern es sind auch neue Ansätze erforderlich, um die Problematik globaler Ungleichheiten von Arm und Reich, von Gewinnern und Verlieren zu entschärfen. Siehe => http://de.consenser.org/node/2440

Auch wenn man das Steuerungsmodell von Herrn Willke ablehnt, so spielt der Markt eine bedeutende Rolle in der Selbststeuerung der Weltgesellschaft. Darauf bezieht sich die Grafik der „Globalen Selbststeuerung“.

Meiner Meinung nach können wir uns auf die „unvisible hand“ nicht verlassen, denn auch Verlierer steht ein Leben in Würde zu. Doch ich sehe auch die Vorteile der Selbstorganisation des Marktes. Diese Selbstorganisation bedarf meiner Meinung nach eine gezielt Moderation. Zu diesen Zielen könnten folgende gehören: Recht auf sichere Existenz und gesellschaftliche Teilhabe, Erhöhung der Überlebenswahrscheinlichkeit der Menschheit

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