Modelle der Systemsteuerung

. Standpunkt von Gruppe: Globalisierung verstehen
vom Diskurs-Projekt: Themenkreis:
Überarbeitet von Schnittmenge am 11. August 2011 - 10:34

Herr Willke verdichtet die Theorienvielfalt globaler Steuerung auf die vier Steuerungsmodelle, welche Einfluss auf die Gestaltung der Globalisierungsprozesse nehmen:

1. Der globale Markt als Steuerungsmodell

Der Markt stellt das Standardmodell für die selbst organisierende Regulierung von Angebot und Nachfrage dar. Es besteht aus vier wesentlichen Komponenten:

  • Der Markt steuert sich selbst. Er funktioniert, ohne dass jemand „das Sagen hat.“
  • Die Marktteilnehmer verfolgen eigene Interessen.
  • Die unsichtbare Hand sollte zur Optimierung der Austauscheffizienz und einem gemeinsamen Wohlfahrtsgewinn führen. Nach dem Arrow-Theorem (Pareto-Optimum) sollte niemand in einem Austausch schlechter gestellt werden und wenigstens für einen sollte sich ein Vorteil heraus kristallisieren.
  • Der Markt ist in einem sozialen Kontext eingebettet. Es bedarf bestimmter Rahmenbedingungen, welche die Möglichkeit des Marktes bereitstellen (Granovetter 1992). Vor allem die Politik und das Rechtssystem schaffen die Voraussetzungen dafür, dass der Markt nach seinen eigenen Regeln funktionieren kann. Dazu gehören unter anderen: Rechtssicherheit, Vertragsfreiheit, Eigentumsgarantie, soziale Schutzrechte, etc..

 

Die Vorteile des Marktes sind zu würdigen. Das Steuerungsmodell Markt realisiert ein Ziel, das niemand vorgibt: gemeinsamer Wohlfahrtsgewinn und optimierte Nutzung sowie die Verteilung vorhandener Ressourcen. Dieses Ziel wird nicht von einzelnen Marktteilnehmer verfolgt, sondern diese orientieren ihr Handeln nach egoistischen Eigeninteressen. Doch es gibt auch berechtigte Kritik am Marktmodell. Es bedarf nicht nur notwendige Voraussetzungen für ein Funktionieren des Marktes, sondern es sind auch neue Ansätze erforderlich, um die Problematik globaler Ungleichheiten von Arm und Reich, von Gewinnern und Verlieren zu entschärfen. Die Problematik wird dadurch verschärft, dass nicht klar ist, welche Instanzen oder Institutionen, die für ein Funktionieren des globalen Marktes erforderliche Rahmenbedingungen schaffen könnten. Damit wären wir beim Steuerungsmodell globales Recht angelangt.


2. Globales Recht als Steuerungsmodell

Der Sinn von Recht liegt für erwartete Situationen im Voraus eine Logik der Angemessenheit zu setzt. So weiß man bei Konflikten, Abstimmungen, Koordinationen, Verteilungs- und Haftungsfragen etc. welche Konsequenzen zu erwarten sind. Denn wenn eine entsprechende Situation eintritt, kann vergleichsweise schnell, klar und gerecht im Sinne des Rechts entschieden werden. Auf Basis von Macht gießt man Erwartungen in Gesetzform und nutzt dann den Luxus des Nichtlernens (siehe Kapitel „Primat der Komplexität“: normativer Erwartungsstil).

Doch die gegenwärtige Phase der Globalisierung stellt die Ordnung des Rechts unter Druck:

  • Denn den immer schnelleren, technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen „hingt“ das Recht hinterher.
  • Mangelnde gesetzgeberische Kompetenzen => Bedarf an Gutachtern, Ethik-Räten etc.
  • „Durchlöcherung“ richterlicher Kompetenzen => Bedarf an Vergleichen, Moderationsverfahren
  • Partieller Machtverlust des Nationalstaates durch globale Organisationen und laterale Weltsysteme
  • Es gibt keine zentrale Instanz mit global verbindlicher Rechtssetzung.
  • Androhung mit physischer Gewalt zeigt wenig Wirkung auf Organisationen und Strukturen. (Wikileaks)

Dieser Druck führt zu zwei Veränderungsprozessen. Zum einem verschiebt sich der Erwartungsstil vom Nichtlernen (normativen Modus) zum Lernen (kognitiven Modus) und zum anderen verschiebt sich die Logik Wenn-Dann (Angemessenheit – wie?) zu einer Logik der Folgen (Konsequenzen – was?).

 

Nichtlernen (normativer Modus)

  • Vergangenheitsbezug: „Das haben wir schon immer so gemacht.“, steht für die Wenn-Dann Logik. Das Recht legt fest, wie bei einer gegebenen Situation gehandelt werden muss, was auch bei Bedarf unter der Androhung von physischer Gewalt umgesetzt werden kann.
  • Zukunftsbezug: Ist ein Recht auf die Verfolgung eines bestimmten Zwecks bzw. Ziels gerichtet, so wirkt die Logik der Konsequenz – „was“ erreicht werden soll. Das Ziel zur Erhöhung vom prozentualen Anteil an Biokraftstoff, sollte nicht mit dem Preis von noch mehr Hungertoten bezahlt werden. Da sollten wir doch noch mal auf einen kognitiven Modus umschalten.

 

Lernen (kognitiven Modus)

  • Einigen: Gibt es bei einem „Wenn“ verschiedene „Dann“-Gesetze. Bekämpfen sich die verschiedenen „Dann“-Parteien nicht, so werden sie in Gesprächen nach den gemeinsamen „Dann“-Regeln suchen und umsetzen.
  • Aussuchen: Selbst ein Kegelverein hat seine eigene Satzung mit Vereinsziel und Regeln, welchen sich die Mitglieder unterwerfen. Wer das Netzwerk von Facebook benutzt, hat zuvor die allgemeinen Geschäftsbedingungen zu akzeptiert, wer sich nicht daran hält, wird zensiert – ist mir schon passiert - oder aus dem Netzwerk ausgeschlossen. Internationale Organisationen, Nichtregierungsorganisationen, Medien, Netzwerke, multinationale Unternehmen, globalen Funds haben eigene Ziele, eigene Kompetenzen, eigene Regeln. Weniger nationalstaatlich, sondern dezentralisiert und verteilt findet ein selbst organisiertes Lernen statt. Regeln, Normen, Recht sind nicht auf öffentliche Stellen beschränkt, sondern werden auch von privaten Netzwerken und Organisation gebildet. So können Sie mit Ihrer Mitgliedschaft bis zu einem gewissen Grade auswählen, welche der vielen Rechte für Sie gelten sollen und welche nicht. Für ein Individuum ist es einfacher seinen Arbeitsplatz zu wechseln oder in ein anderes Land auszuwandern, als ein Gesetz zu ändern. Es lebe das hybride Recht! (Teubner 2002)

 

Die Regelsysteme globaler Governanz verlieren an Einheitlichkeit und Eindeutigkeit. Auch hier gibt es wieder eine Vielfalt an Theorien:

  • „Global public policy“ als Verlängerung nationalstaatlicher, klassischer Politik in den globalen Raum hinein (Benner et al. 2001; Reinikce 1998)
  • „Private authority“ als neue Komponente von Governanz durch Private, Transnationale Coperationen, soziale Bewegungen und „communities of practice“, die über spezielles Wissen und relevante Expertise verfügen (Cluter, Haufler, Porter 1999)
  • „Public-private-partner-ships“ als neue Verschachtelung von öffentlichen und privaten Leistungserbringern in Form von gemeinsamem Organisationen oder Projekten. (Willke 1997)

 

Der globale Wettbewerb im Recht ist ein Wettkampf um die Legitimität (Zulässigkeit) und die Durchsetzungskapazität. In weiter Ferne ist eine Weltinstitution mit formaler demokratischer Legitimität zu erwarten. Welche alternativen Formen der Erzeugung von Legitimität gibt es? =>


3. Globale Solidarität als Steuerungsmodell

Soziale Bewegungen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Nonprofit-Organisationen, Interessengruppen, Hilfe- und Selbsthilfegruppen, humanitäre Stiftungen, Aktionsgruppen etc. stellen eine Wachstumsbranche dar. (Donges, Menzel, Paulus 2003) so unterschiedlich Ziele, Methoden, Finanzierungsmodi, Organisationsformen, Größe, Verbreitung etc. auch sind, so ist doch eine gemeinsame Vision zu erkennen. Sie bündeln Solidarität im weitesten Sinne und bekämpfen Missstände. Das Steuerungsmodell Solidarität begrenzt die Steuerungsmodelle Markt und Recht.

Solidarität ist neben Religion und Moral eine der ursprünglichsten, gesellschaftlichen Steuerform. Solidarität lebt in den Winkeln der Lebenswelt, in der noch die herzerfrischende Irrationalität selbstloser, sorgender, beschützender und bisweilen aufopfernder Handlungsmuster, die in einer ökonomischen Sichtweise unbegreiflich bleiben müssen. Solidarität funktioniert in der nahen Umwelt, wie Familie, Freundschaftsgruppen, Verwandtschaften, Nachbarschaften, selbst bei engen Geschäftsbeziehungen.

Doch kommt es bei der globalen Solidarität zu einer Akzentverschiebung. Es geht dabei nicht um die Organisation von Solidarität, sondern um die Organisation von Netzwerken, bei denen Solidarität eine besondere Rolle spielt. Denn die voranging auf Solidarität gegründen Netzwerke schwanken zwischen den Polen der Selbstauflösung einerseits und andererseits der Verfestigung zu formalen Organisationen. (Castells 2000; Thompson et al. 1991; Zacher, Sutton 1994) Problematisch ist, dass sich Solidarität normalerweise auf einen engen sozialen Kreis beschränkt, weil sie an direkte, persönliche Kontakten gebunden ist. Jedoch kann sie durch massenmedial vermittelte Direktheit und Anschaulichkeit eine weltweite Solidarität auslösen. So wie es bei der Tsunami-Katastrophe von 2004 zu sehen war. Verschwindet das Thema aus den Medien, so lässt auch die Solidarität wieder nach. Um den Wegfall der direkten Kontakte zu überbrücken, zeichnen sich etablierte Netzwerke durch eine gut organisierte Solidarität aus. Zum Beispiel die International Confederation of Free Trade Unions (ICFTU), die aus 231 Organisationen in 150 Ländern mit einer Gesamtmitgliedschaft von 158 Millionen Menschen besteht, stabilisiert sich durch eine organisierte Solidarität.

Je direkter die Auswirkung der Globalisierung erlebt werden und je machtloser Personen sich dem gegenüber fühlen, desto verständlicher wird, dass sie einen Rückhalt in der nahen Solidarität suchen. Denn das Lokale erscheint dann im Vergleich als einfach, überschaubar und transparent. Aus der Sicht globaler Governanz muss eine andere Bewertung vorgenommen werden. Denn das Verhältnis von Globalem und Lokalem ist nicht einfach eine Entweder-Oder-Frage, sondern beides zeichnet sich durch Verschachtelungen und Überlagerungen aus, weswegen beide Seiten komplex, unverständlich und intransparent sind. Dies verlangt ungewöhnlich viel Wissen über viele Themen und Bereiche, um auch nur einigermaßen nachvollziehen und verstehen zu können, was in den Prozessen der Globalisierung geschieht und welche Wirkungsketten eine Rolle spielen. => globale Expertise als Steuerungsmodell


4. Globale Expertise als Steuerungsmodell

In der heutigen Wissensgesellschaft ist das Wissen zum dominierenden Produktionsfaktor aufgestiegen. Mehr als Land, Arbeit und Kapital steigt die Bedeutung von wissensbasierten Produktionsformen und Produkten, deren wesentlicher Wert in der eingebauten Intelligenz liegt. Trotz Patenten und Eigentumsrechten, können wir Wissen als ein grenzenloses Medium betrachten, welches die Auflösung nationalstaatlicher Grenzen verstärkt. Es gibt viele Arten von Wissen, hier beschränke ich mich auf öffentliches Wissen, privates Wissen und Nichtwissen.


Zersplittertes, öffentliches Wissen
Schafft der Wissenschaftsbetrieb geltendes Wissen? Ja, diese sind zersplittert in verschiedenen Disziplinen, Theorien, Perspektiven, Modellen und Kontexten. Innerhalb der Disziplin der Mathematik besteht anscheinend noch die Möglickeit, ein einheitlich geltendes Wissen festzustellen. Dieser Vorgang wird bei der Disziplin Psychologie überhaupt nicht mehr durchgeführt. Die ersten Dinge, die ein Psychologiestudent lernt, sind die unterschiedlichen Perspektiven innerhalb der Psychologie: Behavioristische Perspektive, Biologische Perspektive, Evolutionäre Perspektive, Gestaltspsychologie, Humanistische Perspektive, Kognitive Perspektive, Psychodynamische Perspektive, Systemische Perspektive

Ein geltendes Wissen ist kontextabhängig. So können Sie jede beliebige Antwort auf die Frage „Hat der Mensch einen freien Willen“, durch Vertreter eines bestimmten Wissenschaftsbereich belegen. Gehirnforscher tendieren zum Nein, Geisteswissenschaftler tendieren eher zu einem Ja. Was Willke versucht, ist die theoretische Vielfalt zu verdichten, doch es gibt eine Vielzahl von Kritikern die behaupten, dass ihm dies nicht gelungen sei.

Es bilden sich Sphären von Expertise, deren Kompetenz innerhalb der eigenen Sphäre gegeben ist. Doch diese Sphären driften auseinander, so dass die Anwesenheit von Experten aus verschiedenen Sphären eine Sache nicht vereinfachen, sondern für mehr Uneinigkeit, Desorientierung und Komplexität sorgen. Doch Herr Willke sieht hier richtige Wege zur gemeinsamen Willensbildung, denn die Qualität der gemeinsamen Willensbildung hängt von der Qualität der gemeinsamen Wissensbildung ab. Der Reichtum dezentraler Ideen, Erfahrungen, Problemlösungen, Perspektiven, Innovationen etc. lässt sich nur dann in den Prozess gemeinsamer Willensbildung einbringen, wenn er nicht an dem zu engen Nadelöhr hierarchischer Strukturen stecken bleibt. Gleichzeitig bedauert Herr Willke, dass es an Mechanismen und Verfahren fehle, wie diese verteilte Intelligenz zu nutzen sei. (Anmerkung Schnittmenge: Zum einen ist gerade der Wissensunterschied schuld an der Unfähigkeit zur gemeinsamen Willensbildung und zum anderen ist die Verarbeitungskapazität einer Person beschränkt, womit der gemeinsamen Wissensbildung Grenzen gesetzt sind. Diese beiden Punkte müssten meiner Meinung nach bei der Suche nach der Nutzung verteilter Intelligenz mit berücksichtigt werden. Dabei muss vorausgesetzt werden, dass alle Beteiligten ihr Wissen teilen wollen!)

 

Geheimes, privates Wissen
Neben dem zersplitterten, öffentlichen Wissen, entsteht in allen denkbaren gesellschaftlichen Bereichen meist geheimes, privates Wissen. Das operative Wissen eines Unternehmens ist umso wertvoller, je mehr Wettbewerbsvorteile es gegenüber seinen Mitbewerbern verschafft. Unter den Bedingungen einer globalen Konkurrenz wird der Mythos eines herrschaftsfreien Diskurses vom strategischem Management belächelt.

 

Nichtwissen managen
Wissen kann auf „woida“ zurückgeführt werden, was bedeutet: „ich habe gesehen“ und als „ich weiß“ gleichgesetzt werden kann. Wissen ist das Ergebnis vergangener Erfahrungen. Wissen ist gut zur Lösung von bekannten Problemen, ist jedoch blind gegenüber dem Meer an zukünftigen Möglichkeiten. Das Meer der Möglichkeiten ist nicht nur gefährlich, sondern dort verstecken sich auch neue Chancen. Chancen, die wir nur dann nutzen, wenn wir uns heute entsprechend entscheiden. Sie mögen entgegnen: „Aber wir kennen weder die Chancen noch die richtigen Entscheidungen.“ - Ja, da haben Sie recht! Deshalb sollten wir uns mit dem Managen von Nichtwissen beschäftigen.

Wir sollten nicht nur die Vergangenheit im Spiegel der Zukunft sehen, sondern uns die möglichen Zukünfte zurück projektieren und unserem Nichtwissen in die Augen sehen.

Hätte John F. Kennedy (1961) seine Entscheidungen damals nach dem aktuellen Wissenstand getroffen, hätte Neil Armstrong, seinen Fuß nicht auf den Mond gesetzt (1969). Doch 1961 hielt man es für eine mögliche Zukunft, dass die USA bemannt zum Mond fliegen könnte. Projektiert man eine mögliche Zukunft zurück, so erkennt man das fehlende Wissen (Nichtwissen). Dies ermöglicht eine Bewertung der Risiken und Aufwände der Entscheidungen, die auf diesen Orientierungspunkt einer bestimmten möglichen Zukunft zielen. So war John F. Kennedy (1961) bereit Entscheidungen zur Verwirklichung dieser möglichen Zukunft zu treffen und übernahm so auch die damit verbundenen Kosten und Risiken.

Der Hebel zur Gestaltung und Steuerung unserer Zukunft ist die Entscheidungsfähigkeit, die sich nicht durch die vergangenen Entwicklungen blenden lässt, sondern die Chancen möglicher Entwicklungen anvisiert. Herr Willke geht noch einen Schritt weiter: Beim Umgang mit Ungewissheit sei nicht die Kontrolle, sondern ausschließlich die Steigerung von Möglichkeiten zu verfolgen, denn steigen die Möglichkeiten, so steigen auch die Chancen. (Anmerkung Schnittmenge: Diese Theorie würde ich für die Praxis auf folgenden Satz verdichten: Das Managen von Nichtwissen besteht in der Ermöglichung von Chancen bei tragbaren Risiko.)


EIN Modell der globalen Steuerung

(Erweiterung des Weltbildes von Helmut Willke durch Erkenntnisse aus der Gehirnforschung durch Schnittmenge)

„ ... der Mensch interessiert mich nicht, wenn ich das so hart sagen darf."
Niklas Luhmann [Texte zur Kunst, Vol.I, Herbst 1991, No.4, S. 121-133, http://www.hgb-leipzig.de]

Die in der Einführung gestellte Frage „Wer kann was, wie beeinflussen“ hat in mir die Neugier geweckt. Wer versteckt sich hinter diesem WER. Es sind der Mensch und kollektive Intelligenzen.

Menschliche Selbststeuerung

Wer regelt und steuert, braucht einen Referenzpunkt. Zum Beispiel: Wenn Sie nach Norden gehen möchten, haben Sie einen klaren Referenzpunkt (Sollwert) an dem Sie sich orientieren können. Sie können Abweichungen (Sollwert-Istwert) erkennen und korrigieren.
Der Referenzpunkt beim Menschen ist sein jeweils eigenes kohärentes Weltbild, welches er versucht schlüssig zu halten, wie der Wanderer, der seinen Kurs auf Norden ausrichtet.

Es gibt vier Arten das eigene Weltbild schlüssig zu halten:

  • Durch selektive Wahrnehmung wird das, was nicht in das eigene Weltbild passt ignoriert und das, was passt herausgepickt. (Politik interessiert mich nicht.)
  • Durch Recht behalten: Das eigene Weltbild wird verteidigt oder durchgesetzt. (Gaddafi verteidigt sein Weltbild.)
  • Durch Bestätigung: Man bevorzugt den Kontakt zu Menschen, die einem das eigene Weltbild bestätigen. (Mein Freund hat mich lieb, so wie ich bin.)
  • Durch Erweiterung: Wenn etwas nicht in das eigene Weltbild passt, so muss man es entsprechend erweitern, damit es wieder schlüssig ist. (Mal sehen, wie Sie lieber Leser, die menschliche Selbststeuerung in Ihr eigenes Weltbild einbauen.)

 

Abstrakter formuliert bedeutet dies: Der Mensch erfährt die Realität an sich nicht, sondern ihm erscheinen nur Phänomene. Das Kriterium, was bei der Behandlung eines Phänomens zur Verfügung steht, ist die Kohärenz, die dann als vereinheitlichtes Gesamtphänomen zu betrachten ist. (Metzinger, 2009)

 

Kollektive Selbststeuerung

Nun wissen wir auf der einen Seite von dem Modell der Selbststeuerung der Weltgemeinschaft und auf der anderen Seite vom Modell der menschlichen Selbststeuerung. Es fehlt noch ein Brückenmodell, welches der Tatsache gerecht wird, dass kollektive Intelligenzen, wie Firmen, NGOs, Parteien, Staaten, Proteste, Organisationen, Nato, etc. als Akteure in der Weltgemeinschaft auftreten.

 

Dieses Modell erlaubt es, die Vielzahl von verschiedenen privaten, wie öffentlichen, kollektiven Intelligenzen abzudecken. Es verschieben sich jeweils die Prioritäten zwischen den verschiedenen Steuerungsarten, wie Zahlung, Beziehung, Struktur (Prozess), Lernen, Strategie. So zeichnet sich eine Protestbewegung hauptsächlich durch Beziehung aus, ein Staat durch Struktur (Prozess) und Firma durch Strategie. Nicht immer doch oft sind alle Steuerungsarten bei kollektiven Intelligenzen bzw. kollektiven Dummheiten beteiligt. ;-)

 

Führt man nun die drei Zeichnungen zusammen, so hat man ein globales Modell, mit dem die Selbststeuerung von Menschen, kollektiven Intelligenzen und der globalen Weltgesellschaft erklärt werden kann. Mehr dazu ist hier zu finden =>


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