Prof. der Soziologie bewertet Wikileaks

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Verfasst von Schnittmenge am 21. Dezember 2010 - 11:40.

Meine gekürzte Interpretation des Textes „Falscher Alarm? – Wikileaks und die Politik“ von Prof. Dr. rer. soc., Sociologist Dirk BAECKER: http://www.dirkbaecker.com/Wikileaks.pdf

 

Wer ist Dirk Baecker?
ist ein deutscher Soziologe und Inhaber des Lehrstuhls für Kulturtheorie und -analyse an der Zeppelin University in Friedrichshafen. Das Magazin Cicero kürte ihn im Jahr 2008 zu einem der 25 wichtigsten Gesellschaftswissenschaftler in Deutschland: http://de.wikipedia.org/wiki/Dirk_Baecker

 

Worin besteht das tägliche Geschäft von Politik und Diplomatie?
Es besteht darin, eine unklare Drohung des Einsatzes von Gewalt aufrechtzuerhalten, um Interessen, Absichten und Möglichkeiten voneinander abzugrenzen und miteinander abzustimmen. Dabei kommt es zum Austausch von Information, ohne dass die Beteiligten wirklich wissen, was der andere nicht weiß.

 

Warum handelt es sich um einen falschen Alarm?
Da Politik und Diplomatie schon immer mit dem Umgang mit unzureichenden Daten vertraut sind, um Entscheidungen zu treffen. Daran ändert die - für einen Moment neue - Information von Wikileaks nichts.

 

Wie sollte die Politik mit den Wikileaks-Veröffentlichungen umgehen?
Die Politik sollte die Verbindungen von verschiedenen Informationen offenlegen und neu bewerten.
Die Politik sollte legitime Mittel verwenden und nicht dafür sorgen, dass Server abgeschaltet werden und der Geldverkehr unterbunden wird.
Die Politik sollte keine weiteren Geheimnisse schaffen, sondern lieber das vertrauensvolle Gespräch suchen.

 

Wie geht die Politik mit diesem „Skandal“ um.
So wie immer, durch die Androhung von Gewalt, in welcher Form die Gewalt auch immer in Erscheinung tritt.

 

Was können wir machen?
Wenn wir uns nicht mehr unter diesen Gerechtigkeitsverhältnissen einrichten können und wollen, wird es zum Aufstand kommen.



Warum drückt sich Herr Dirk Baecker so kompliziert aus?

Verfasst von LutzEbeling am 30. Dezember 2010 - 1:46.

Lieber Kommentator,

das finde ich gar nicht, sondern hat nur was mit der Semantik der Kommunikation zu tun, in dessen Kontext das abläuft. Herr Baecker ist ein Wissenschaftler, schreibt also im Kontext wissenschaftlicher Kommunikation, konkreter beheimatet u.a. in der Theorie sozialer Systeme des Soziologen Niklas Luhmann, selbige auch fruchtbar weiterentwickelnd. Hier im Blog nutzen wir eher "alltägliche Sprache", so wie wir es im Familien-/Intimfunktionssystem gelernt haben bzw. sozialisiert sind. Und dazu gehört auch das von Schnittmenge genutzte "Sagen von Meinungen", auf Basis mehrer in meinen Augen argumentationslogisch nicht sauberen abduktiven kurzthesenhaften Analogieschluss (Argument->Meinung) bzw. die Formebenen der Argumentation nicht abgrenzend. Das geht aber in der Kurzform auch kaum anders, ist also sicherlich in unserer Alltagskommunikation legitim und vielleicht sogar hilfreich. Aber dein Problem mit der komplizierten Sprache bezugnehmend auf o.g. Differenz mit der anderen Form-Seite "Entwicklung von Argumenten" hat Hr. Baecker doch prägnant aufgezeigt? Seinen Text glaube ich auf Anhieb verstanden zu haben, auch wenn ich dazu was sagen könnte bzw. in Teilen nicht ganz übereinstimme. Tja, wenn da nicht Spencer Browns "crossing" durchschimmert.

Vielleicht lies mal den folgenden Essay "Zu Protestbewegungen im Sinne Luhmanns" (http://members.tripod.de/future1/Essay-Funktionale-Differenzierung-sozia...) oder schaue ins Blog http://soziale-systeme-niklas-luhmann.blogspot.com/2010/12/ziele-des-blo... oder hier weiterführend in consenser.org in der Gruppe (soziologische) Systemtheorie: http://de.consenser.org/node/2359. Das ist alles vermutlich ähnlich scheinbar kompliziert ausgedrückt. Aber nachdem ich mich einige Jahre mit Niklas Luhmann auseinandergesetzt habe, finde ich die Sprache eigentlich ganz einfach :-) und alles wird irre spannend zu beobachten mit dem 2ten Auge. Auch hier unsere Kommunikation.

Fragen zur Theorie werde ich gerne beantworten, sofern ich Zeit finde.

Toll fände ich, wenn Schnittmenge das alle mal consenser-t. Aber ob da die Zeit bleibt?

ciao, Lutz

Falscher Alarm?

Verfasst von Dirk Baecker (nicht überprüft) am 25. Dezember 2010 - 10:43.

Ich bin Wissenschaftler. Das bedeutet, dass ich eher an der Entwicklung von Argumenten als am Sagen von Meinungen interessiert bin. Argumente heben den Streit auf eine höhere und reichere Ebene, denn an Argumenten lassen sich sowohl die Annahmen als auch die Fakten und nicht zuletzt die Schlussfolgerungen bezweifeln. Meine Texte laden deshalb immer auch dazu ein, alternative Annahmen zu prüfen, andere Fakten zurate zu ziehen und zu anderen Schlussfolgerungen zu kommen. Wenn man so will: der Beitrag der Wissenschaft zur Zivilisation, auch wenn der Preis hoch ist, denn sicheres Wissen kommt so nicht zustande.

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für neues Wissen, bessere Entscheidungen und sinnvollere Ziele

Verfasst von Schnittmenge am 25. Dezember 2010 - 13:34.

Ich würde mich sehr geehrt fühlen, wenn Herr Dirk Baecker persönlich diesen Kommentar geschrieben hätte.

Egal wer diesen Kommentar geschrieben hat, verstehe ich, die Herangehensweise von Herr Baecker und ich empfinde sie selbst als sehr inspirierend.

Aus der wissenschaftlichen Perspektive ist die Verwendung der vielen Konjunktive gerechtfertigt und das ist genau Ihr Kontext. Doch reduziert sich dadurch die Anzahl derer Leser, die sich mit so einem Text auseinandersetzen und das finde ich schade.

Ich bin tief davon überzeugt, dass Wissenschaftler, Manager und Politiker voneinander lernen können und das geht nur dann, wenn jeder seine Fachsprache in eine gemeinsame Sprache übersetzt. Wobei mir klar ist, dass bei der Übersetzung Genauigkeit verloren geht, jedoch wird dieser Verlust durch ein aktivieren interdisziplinären Diskurs ausgeglichen.

Meiner Meinung nach erhöht ein aktiverer fachübergreifender Diskurs die Wahrscheinlichkeit für neues Wissen, bessere Entscheidungen und sinnvollere Ziele. Deshalb erlaube ich mir wissenschaftliche Texte in eine ungenauere und dadurch einfachere Sprache zu übersetzen.

Vielen Dank

Verfasst von Kommentator (nicht überprüft) am 23. Dezember 2010 - 11:13.

Vielen Dank für die klare Zusammenfassung. Warum drückt sich Herr Dirk Baecker so kompliziert aus?

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