Die Systemhöhe

. Standpunkt von Gruppe: Systemtheorie
Themenkreis:
Überarbeitet von System am 22. Dezember 2010 - 13:44

Hallo Freunde des Systemdenkens,

Es entspricht völlig meinem Standpunkt, dass ein System eine Grenze und eine inhaltliche Bestimmung hat, die es ermöglicht zu entscheiden, welche Elemente zu diesem System gehören und welche nicht, so dass eine möglichst eindeutige Zuordnung von Innen und Außen vorgenommen werden kann, eine Trennung von System und Umwelt, oder in Bezug auf den Menschen von Ich und Nicht-Ich (= Rest des Universums). 

Was mir im hier dargestellten Luhmannschen Ansatz jedoch fehlt, ist die Unterscheidung von unterschiedlichen Ordnungshöhen von Systemen.

=> (Mitglied System, [22-Dez-2010]): Doch die gibt es. Das sind sogenannte Subsysteme.

Ich unterscheide in meiner Philosophie, in der ich mich mich dem Menschen befasse, zwischen der Ordnungshöhe Individuum (= das System Mensch), und lebenden Systemen höherer Ordnung (z.B. Paar, Familie, Gruppe, Gesellschaft, Staat, Religionsgemeinschaft usw.), die aus Menschen und anderen nichtlebenden gemeinsam genutzten Elementen bestehen (Verkehrswegen, Öffentliche Transportmittel, gemeinsame Sprache, Geld usw.). Das System Mensch besteht seinerseits aus verschiedenen Elementen (=Subsysteme). Das sind vor allem seine kleinsten lebenden Einheiten, die Zellen, aber auch nichtlebende Teile wie das Körperwasser (Blut, Lymphe), Knochen usw. und vor allem nichtlebende Teile außerhalb der Haut, wie sein Auto, sein Besitz, sein Geld usw.. Deshalb spreche ich von dem "System Mensch".

=> (Mitglied System, [22-Dez-2010]): Das kann man so machen. Du fängst mit Individuum an. Luhmann fängt mit Differenz an. D.h. es sind 2 völlig verschiedene Theoriebautechniken. Luhmann hat sehr grob (ich habe es nur im Kopf und finde die Stelle nicht) gesagt, dass so ein Anfang mit Individuum (also vermutlich die Subjekt/Objekt-Differenz) vielleicht sogar mehr bringt. Man wisse es halt nicht. Die verschiedenen Theorie-Design-Arten müssten sich halt erst mal bewähren.

Sprachliche Kommunikation setzt verbale Begriffe voraus. Diese werden durch Übereinkunft in der Gruppe ("Urhorde") erzielt und ständig in einer Sprachgemeinschaft verändert (angepasst). Bereits die Begriffe sind also nicht Elemente des menschlichen Individuums, sondern sie gehören der Gruppe, der Sprachgemeinschaft, also einem lebenden System höherer Ordnung. Begriffliches Denken und Sprechen (kommunikation) ist also nicht ein Individualphänomen, sondern ein gesellschaftliches Phänomen. Für den weltabgewandten Einsiedler hat Sprche daher keinerlei Bedeutung. 

=> (Mitglied System, [22-Dez-2010]):Da würde Luhmann vermutlich kaum widersprechen

Womöglich würde mir Luhmann bis hierher zustimmen.

=> (Mitglied System, [22-Dez-2010]): s.o. mit Verlaub, nein. Das Theoriedesign ist im Ansatz anders.

 

Nun kommt jedoch die Folgerung für die Menschheit, die biologisch eine Tierart darstellt: die Menschheit ist biologisch-genetisch eine Einheit. Durch die Entwicklung verschiedener Sprachen grenzen sich jedoch verschiedene Denk- Sprach- und Glaubensgemeinschaften voreinander ab. Was die Natur vereint hat, trennt der Mensch durch seine Sprachen. Da sprachliche Symbole keine eigene Bedeutung haben, sondern nur dann, wenn eine Übereinkunft zwischen Sender und Emfänger besteht, so dass der Empfänger einer Botschaft das versteht, was der Sender gemeint hat, bilden  Sprachunterschiede Grenzen. Sie definieren einheitliche Systeme, die nun konkurrieren. Konkret konkurrieren sie in Mangelsituationen um die knappen oder knapp gewordenen Ressourcen. Sprache ist also ein Bindemittel in innerhalb einer Gesellschaft und ein Trennmittel zwischen verschiedenen Gesellschaft und damit verantwortlich für die Anwendung der Kategorien Gut und Böse auf den Gruppenzugehörigen und Gruppenfremden. Damit wirkt Sprache als Steuerungsmittel für Aggressivität. So wie das Individuum eigene Fehler übersieht, aber den Splitter beim Anderen als Riesenbalken wahrnimmt, so nimmt auch eine Sprachgemeinschaft eigene Mängel nicht wahr, sondern projiziert sie auf die Nachbargemeinschaft. Damit bestimmt Sprache bzw. Kommunikation oder Nichtkommunikation über den Verlauf der Frontlinien von Kriegen.

=> (Mitglied System, [22-Dez-2010]): tja, das ist vermutlich genau was Luhmann auch denkt. Er nennt es mit einem Begriff "Kommunikation". 

 

Diese negative Seite und die Gefahr von Sprache sollte auch thematisiert werden, wenn scheinbar neutral über Systemtheorie und Kommunikation diskutiert wird. 

=> (Mitglied System, [22-Dez-2010]): das "scheinbar neutral über ... diskutiert wird" verstehe ich nicht. Was Sprache bewirken kann, auch an Negativem und Verfälschungen sollte nach Pierce und Saussure und Chomsky und krit.Theorie/Adorno/Habermas mMn mit Verlaub zum Allgemeinwissen gehörten (empirisch "Sadam Hussein=>Falsche Information mit schlechter Sprache (zu viel Drohgebärde) => USA startet einen Krieg")

 

Herzliche Grüße

rudi

Kommentare zu diesem Standpunkt können hier geschrieben werden: http://de.consenser.org/node/2328


Das könnte Sie auch interessieren!

Weitere Beiträge zum Themenkreis

Consensus

  • Zum gewählten Schlagwort liegen keine Beiträge von dieser Zellen-Art vor.

Gruppe

  • Zum gewählten Schlagwort liegen keine Beiträge von dieser Zellen-Art vor.

Meinung

  • Zum gewählten Schlagwort liegen keine Beiträge von dieser Zellen-Art vor.