Niklas Luhmann

. Standpunkt von Gruppe: Systemtheorie
Überarbeitet von Schnittmenge am 11. Oktober 2010 - 17:45

Um die immer komplexer werdende Gesellschaft besser beobachten und beschreiben zu können, entwickelte der Soziologe Niklas Luhmann einen neuen Theorienapparat.

So, wie das Fernglas Nikolaus Kopernikus die Beobachtung ermöglichte, dass sich die Erde um die Sonne dreht, so werden sich Ihnen - mit dem Theorienapparat von Niklas Luhmann - neue Erkenntnisse erschließen.

Des Weiteren bringt es wenig, sich über Teile der Gesellschaft zu empören, fragen Sie lieber, wie die Gesellschaft funktioniert. Als Isaac Newton ein Apfel auf den Kopf fiel, entrüstete er sich nicht darüber, sondern er überlegte, wie dies passieren konnte. Diese Frage nach dem "Wie" führte Herrn Newton zum Gravitationsgesetz. Herrn Luhmann hingegen führte sie zu einer eindrucksvollen Supertheorie, die Soziologie, Biologie, Psychologie, Wirtschaft, Recht, etc. miteinander verbinden vermag.

Holen Sie dank eines besseren Theorienapparates mehr aus Ihrer Beobachtungskapazität heraus! Lassen Sie sich in die Sichtweise der Welt Niklas Luhmanns entführen. Reduzieren Sie die immer größer werdende Weltkomplexität sinnvoll.

 

Ausgangspunkt: Beschränkte Beobachtungskapazität

Schauen Sie sich bitte folgenden Film an. Wer ist der Schuldige?:

 

Wir können nicht alles beobachten. Sie können Ihr „Wasserglas“ nicht voller als voll machen. Was wir nicht beobachten, registrieren wir einfach nicht. Unsere Aufnahmekapazität ist beschränkt. Doch was kommt ins Wasserglas, was läuft am Wasserglas vorbei? Was beobachten wir, was geht an uns vorbei?

Wie beobachten wir?

Beobachten bedeutet bei Niklas Luhmann, eine Unterscheidung zu treffeb (schuldig / nicht schuldig) und eine Seite dieser Unterscheidung zu benennen: Der Butler ist nicht schuldig; Frau Marbel ist schuldig (siehe Video).
Was Sie nicht unterscheiden, nehmen Sie auch nicht wahr. Wer nicht zwischen BMW X1 und BMW X3 unterscheidet, erkennt vielleicht diese beiden Autos als BMWs. Wer nicht zwischen bestimmten Automarken unterscheidet, sieht einfach nur ein Auto. Anstatt zwischen Automarken zu unterscheiden, können Sie auch zwischen Autos unterscheiden, die Sie als schön oder hässlich empfinden. Der Überschuss an Möglichkeiten in Ihrer Umwelt wird durch für Sie relevante Unterscheidungen gefiltert. Das, was Sie nicht unterscheiden und benennen, nehmen Sie auch nicht wahr und wird demnach von Ihnen nicht berücksichtigt. Achten Sie einmal darauf, welche Unterscheidungen Sie treffen (Selbstbeobachtung) und beobachten Sie andere Personen, welche Unterscheidungen diese benutzen (Fremdbeobachtung).

Weitere Beispiele:
Eskimos können zwischen 20 und mehr verschiedenen Schneearten unterscheiden. Denn diese Unterscheidungen können für die Eskimos überlebenswichtig sein. Bei bestimmten Schneearten bleibt man lieber im Iglu, eine andere hingegen verspricht eine erfolgreiche Jagt.
Zur Anpassung der Ausrüstung unterscheiden Skifahrer zwischen Neuschnee, Altschnee, Pulverschnee, Harschschnee und Pappschnee.
Wüstenbewohner benötigen in ihrem Alltag keine Unterscheidungen zwischen verschiedenen Schneearten. Entsprechend weniger Schneearten werden sie beobachten können.

Der Beobachter bestimmt, welche Unterscheidungen momentan für ihn sinnvoll sind. Beim Kauf eines Autos, kann er es als sinnvoll betrachten  zwischen schön und hässlich zu unterscheiden. Für einen anderen Beobachter ist die Unterscheidung zwischen BMW X1 und BMW X3 wichtiger. Wenn ich über die Straße gehen möchte, ist es für mich sinnvoll zwischen „Auto kommt“ und „kein Auto kommt“ zu unterscheiden, das Grün der Bäume nehme ich dabei nicht wahr. Sinn ist ein sehr effektiver Komplexitätsreduzierer, denn der Beobachter richtet so seine beschränkte Aufnahmekapazität nur auf die für ihn sinnvollen Unterscheidungen. Dabei bleiben unendlich viele andere mögliche Unterscheidungen unberücksichtigt. Nur das, was wir unterscheiden und benennen, gelangt in unser Wasserglas. Wir bestimmen, womit unser Wasserglas gefüllt werden könnte, in dem wir die Unterscheidungen treffen, die für uns sinnvoll sind.

Herr Luhmann möchte die Gesellschaft besser beobachten und wählt dementsprechende Unterscheidungen, die ihm diesem Ziel näher bringen. Durch die geschickte Wahl der verwendeten Differenzen können wir Dank Herrn Luhmann die Gesellschaft besser beobachten. Wir erfahren, wie sie funktioniert, ohne sich auf die Streitigkeiten einzulassen „was die Gesellschaft ist“. Denn Beobachtungen sind immer „Luftschlösser“, die auf eine Serie von Unterscheidungen aufbauen. Diese Serie der Unterscheidungen wird von einem Beobachter getroffen. Hinter diesen Beobachtungen steht eine Realität, doch werden sich unsere „Luftschlösser“ niemals auf das Fundament der Realität niederlassen. Das Fundament eines „Luftschlosses“ ist immer ein Beobachter mit seinen getroffenen Unterscheidungen. Herr Luhmann würde sagen, dass der Beobachter seine Realität durch Unterscheidungen konstruiert, doch wie macht er das?

Was Realität und was Gesellschaft sind, bleibt für uns unerreichbar, deshalb konzentriert sich Herr Luhmann darauf, wie wir beobachten und wie wir unsere Realität konstruieren.
 
Nun führen wir Sie nach und nach in die sehr clever gewählten Unterscheidungen ein. Sie werden die Gesellschaft in einem neuen Licht sehen. Viel Spaß bei der Abenteuerreise in eine neue Welt =>


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