„Distributed Reality“ und gezielte Wirklichkeitsschaffung

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Verfasst von Schnittmenge am 4. April 2010 - 4:48.

Was ist „Distributed Reality“?

Auf dem Politcamp präsentierte Michael Seemann „Distributed Reality“. Es baut auf der Theorie auf, dass jeder seine eigene Wirklichkeit konstruiert, es gibt keine Wahrheit an sich. (Diesen Gedanken nähert sich auch der Diskurs-Consenser vom Projekt Wahrheit an.) Dank dem Internet können wir unsere Realität filtern und so entscheiden, wer und welche Art von Information wir unsere Aufmerksamkeit geben.

Neu ist der Gedanke, dass wir jedem Einigungsprozess aus dem Weg gehen können, indem wir einfach Autor unserer eigenen „Geschichte“ werden können.

Ein Beispiel: Anstatt sich bei der Erstellung einer Wikipedia-Seite in Diskussionen zu verwickeln, kopiert man sich einfach die ganze Wikipedia und schreibt Sie so, wie man es für richtig hält. Das kann ab sofort jeder machen: http://scytale.name/blog/2009/11/jedem-seine-wikipedia

Es wird ganz viele verschiedene Versionen von Omnipedias geben und jeder kann entscheiden, in welche er lesen möchte. Eine mehr links angehauchte Omnipedia, oder wer sein rechtsradikales Weltbild bestätigt will, liest einfach die Omnipedia von Autoren mit rechtsradikaler Wirklichkeit. Wie kann man auf so eine Idee kommen, fragen Sie sich jetzt.

Wenn jeder in seiner eigenen Wirklichkeit lebt, können wir uns die Zeit und Energie auf die Einigung einer Wahrheit sparen. Besser ist die Vielfalt zuzulassen, da die unsichtbare Hand der „Distributed Reality“ für das Wohl aller Sorgen wird. Stimmt das?

 

Sorgt die unsichtbare Hand von „Distributed Reality“ für das Wohl aller?

Ja, es gibt keinen, der das komplexe System Menschheit überblicken kann, so brauchen wir ein sich selbstregulierendes dezentrales System, das das lokale Expertenwissen nutzt. Niemand weiß besser, was menschenwürdig ist, als jeder für sich selbst.

Nein, die Probleme die aus der unsichtbare Hand des Marktes entstanden sind, wie Umweltzerstörung und die sich vergrößernde Schere zwischen Reichen und Armen, wird „Distributed Reality“ nicht entschärfen.

 

Gezielte Wirklichkeitsschaffung

Durch Umweltzertifikate (z. B.: http://de.wikipedia.org/wiki/Emissionsrechtehandel) versucht man die Umweltzerstörung in den Markt zu internalisieren und wir sollten auch daran arbeiten, wie wir die Menschenwürde der Verlierer in den Markt internalisieren können, dieser Herausforderung wird sich das Projekt Schnittmenge.eu stellen.

Die Internalisierung der Menschenwürde bedarf es eines gemeinsamen Lernprozess, der das notwendige Wissen schaffen kann. Das gelingt uns nicht wenn wir uns in unserer eigenen Wirklichkeit verstecken und das Leiden anderer Menschen einfach ausblenden. Die Entwicklung der Internalisierung der Menschenwürde in den freien Markt bedarf es einer gezielten Wirklichkeitsschaffung.

Wir brauchen mehr als Distributed Reality! Wer die großen Probleme der Menschheit nicht ausblendet, sondern sich derer stellt, wird sich seinem Nichtwissen bewusst. Wie wir mit diesem Nichtwissen umgehen können, erkläre ich nun etwas detaillierter:

 

Das System Menschheit

Wenn man die Menschheit als ein System sieht, stellt sich die Frage, ob man besser Staaten, Gruppen oder Menschen als Element verwenden sollte. Geht man von der "Distributed Reality" aus, so ist die Antwort klar: Der Menschen ist das Element des Systems Menschheit.

Das bedeutet, die Wirklichkeit jeder Person zählt und nicht nur die reduzierte Anzahl von Repräsentanten irgendwelcher Gruppen oder Staaten. Anders formuliert: Jede Regierung und jede Behörde kann nur einen Bruchteil des Wissens aller Bürger haben. Jeder Bürger ist der bessere Experte seiner lokalen Information und seiner persönlichen Wirklichkeit. Die entscheidende Frage ist, wie nutzt man dieses lokale Expertenwissen im Interesse aller? Gibt es überhaupt ein allgemeines Interesse aller?

 

Die unsichtbare Hand

Schauen Sie sich ein Fischschwarm an, da handelt der lokale Experte (das Element des Systems Fischschwarm = der Fisch) nach einfachen Regeln und emegiert zu einem Schwarmverhalten, das im Eigeninteresse des Schwarmes ist: zu überleben
Wie hat der Fischschwarm diese Regel gefunden? => reiner Zufall

Die unsichtbare Hand der Evolution eliminierte Fischschwärme mit Regeln, die nicht zu einer ausreichende Überlebenstüchtigkeit geführt haben.

Dasselbe passiert auch mit Firmen, deren Regeln in den Bankrott geführt haben.

Personen, die keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sind in der Welt von „Distributed Reality“ „tot“.

Die Evolution, der freie Markt und auch die „Distributed Reality“ hat kein Ziel, die natürliche Selektion entscheidet, wer „überlebt“ und wer nicht. Diese natürliche Selektion kennt keine Moral, doch es ist äußerst Interessant, wie Schwarmeffekte entstehen können, die im Interesse aller Beteiligten sind.

 

Das Zauberwort: REGELN

Regeln reduzieren Komplexität. Das komplexe System Mensch und das komplexe System Internet reduziert sich auf 140 Zeichen lokales Expertenwissen, Following, Followers und Hashtag. Wer mitmacht, befolgt zu mindestens einem Teil dieser Regeln, ob er sich das bewusst ist oder nicht. Die Folge dieser Komplexitätsreduzierung ist, dass die Wahrscheinlichkeit gestiegen ist, dass Schwarmeffekte emergieren können.

Die Schwarmeffekte von #Unibrennt wurde auch von nicht Twitterer von der Außenperspektive wahrgenommen. Keiner konnte die Reichweite der Aktion Unibrennt vorhersagen. Wie wäre die Aktion Unibrennt ohne Twitter verlaufen?

Wäre es nicht schön, wenn Sachen emergieren würden, die vorab gewünscht sind. Geht das überhaupt. JA, DAS GEHT!

 

Das Zauberwort: ZIEL

Wer ein Ziel hat, kann für die Regeln sorgen, damit die Wahrscheinlichkeit steigt, das gesteckte Ziel zu erreichen. Ein Beispiel?
Das Ziel der Open-Source-Gemeinschaft Drupal ist es das Beste Content Management System zu entwickeln. Jeder kann mitmachen, keiner muss mitmachen. Wer mitmacht, muss die „Drupal-Sprache“ lernen und viele Regeln befolgen, doch tut er das, kann er dann innerhalb kurzer Zeit anspruchsvolle Web 2.0 Anwendungen erstellen und hilft bewusst oder unbewusst mit, bei dem gestecktem Ziel.

 

Menschenwürde und Überleben der Menschheit

Ausgangspunkt war das System Menschheit. Im Gegensatz zur Evolution, zum freien Markt und zur „Distributed Reality“ habe ich eine Moral. Ich finde das System Menschheit soll Überleben und zwar so, dass die Menschenwürde aller respektiert wird.

Nimmt man diese beiden Ziele vorweg: Menschenwürde und Überleben der Menschheit, so kann man nach den Regeln suchen, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen diesen hochgesteckten Zielen näherzukommen. Wer mitmacht, trägt zum Erreichen des Zieles bei => Gezielte Wirklichkeitsschaffung



Finde ich alles logisch,

Verfasst von Kommentator (nicht überprüft) am 27. April 2010 - 16:42.

Finde ich alles logisch, doch wie sieht die Umsetzung aus?

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