Den hermeneutischen Zirkel auf den Kopf gestellt

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Verfasst von Schnittmenge am 15. Januar 2010 - 13:41.

Ich erlaube mir mal, die Therorie des Herrn Gadamer ( http://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Georg_Gadamer ) bezüglich seines hermeneutischen Zirkels auf den Kopf zu stellen.

Hermeneutischer Zirkel:

Jedes Verstehen ist vom Vorverständnis des Verstehenden geprägt. Will ich reflektierend dieses Vorverständnis aufklären, dann tue ich es wieder in einem Vorverständnis, das unaufgeklärt vorausgesetzt ist. Die absolute Position einer schlechthin vorverständnis- und vorurteilsfreien Wahrheit ist jedoch prinzipiell unerreichbar.

 

Auf den Kopf gestellt:

Nach meinem heutigen Verständnis lege ich die Ziele einer „Gemeinsamen Bewusstseinskultur“ fest und entwickle dazu das Kommunikationswerkzeug „Schnittmenge“, welches mir jenes Vorverständnis vermittelt, mit dem wir diese Ziele schneller erreichen werden. Wenn wir jedoch über dieses neue „effektivere“ Vorverständnis verfügen, können sich andere Ziele ergeben.

Ich habe nun einfach mal nach bestem Gewissen, die Ziele der Gemeinsamen Bewusstseinskultur festgelegt, für welche das Kommunikationswerkzeug „Schnittmenge“ entwickeln werden soll. Entscheidend ist, dass mit wachsender Zahl von Anwendern und mit dem konstant effektiveren Vorverständnis, auch die Ziele sowie deren Indikatoren einem konstanten Verbesserungsprozess unterliegen.

Wer ein Ziel hat, kann bewerten, was zielführend (richtig, wahr) ist und was nicht.

Die Gemeinsame Bewusstseinskultur schafft in meinen Augen ein sinnvolles Ziel, an dem wir unser Handeln ausrichten können. Mein Anliegen ist es, für die Entwicklung des Kommunikationswerkzeuges „Schnittmenge“ zu werben. Ich suche Menschen, die von dieser Idee begeistert sind und sich an der Entwicklung beteiligen möchten.

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Der folgende Kommentar oder

Verfasst von LutzEbeling am 1. November 2010 - 16:14.

Der folgende Kommentar oder besser die kritischen Fragen beziehen sich eher auf den Standpunkt "Gemeinsamen Bewusstseinskultur". Dort ist aber mein Status "pending" (Ihr Antrag auf Mitgliedschaft wird momentan geprüft), deswegen weiß ich nicht wie man einen Kommentar direkt dahin verknüpfen kann. Deswegen nehme ich solange den Standpunkt "hermeneutischer Zirkel auf den Kopf gestellt". Im folgenden beziehe ich mich auf beide Standpunkte:

* Gemeinsamen Bewusstseinskultur
=> Warum sollte eine gemeinsame Bewusstseinskultur gut sein? Wäre nicht gerade Vielfalt gut?
=> die Prozentzahl ist m. E. leicht empirisch zu widerlegen und ist nur Marketing bzw. Kommunikationsdoping.

* hermeneut. Zirkel
"effektivere" Vorverständnis => effektiv bzgl. was? Leistung? Terroristischer Aktivität? Geschwindigkeit?
"andere Ziele ergeben" => auch schlechtere und uneffektivere, gar todbringende.
"Wer ein Ziel hat, kann bewerten, was zielführend (richtig, wahr) ist und was nicht." => Das ist m.E. kaum aufrecht zu halten, siehe Latenz, Sozialisation oder Konstruktivismus. Bsp.: Wer hat Recht? Der Terrorist oder der Pazifist? Beide bewerten zielführend. Beide haben Ziele.

==>> conclusio:
Warum sollte mit Schnittmenge eine bessere Welt geschaffen werden? Gibt es nicht Standpunkte, die unvereinbar sind, die nicht(!) verdichtet werden können? Wird aus gemeinsamer(sic!) Kultur nicht ein Einheitsbrei á lá George Orwell?

Sorry, m.E. kann ich nur Fragen stellen, da auch ich die Antwort nicht weiß. Ich ahne aber, dass es über Konflikt (ein Funktionssystem Konflikt) gehen könnte (Erhöhung der Komplexitätsverarbeitungskapazität). Aber ich finde die Antwort kann nicht nur "Schnittmenge" (sachlich-Operative Dimension) oder eine "gemeinsame Bewusstseinskultur" (soziale Dimension) sein. Es fehlt auch teilweise die sachliche und räumliche und zeitliche Dimension

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sich selbst aus dem Diktat der Vergangenheit herausziehen

Verfasst von Schnittmenge am 2. November 2010 - 11:40.

ANTWORT Mitgliedschaft:
Es gibt öffentliche Gruppen, wo jeder Mitglied werden kann und es gibt private Gruppen, wo der Gruppen-Manager entscheidet, wer Mitglied werden darf. Eine der wichtigen Ansätze von Consenser.org ist der fachübergreifende Diskurs, deshalb ist es möglich zwischen verschiedenen Gruppen einen öffentlichen oder auch privaten Diskurs zu organisieren. Dafür gibt es die Beitragsart „Gruppen-Meinung“ (hellblaue Sprechblase) mit der ein Diskussion zwischen Gruppen aufgebaut werden kann. In deinem Fall könntest Du als Mitglied der Gruppe „Systemtheorie“ eine Gruppen-Meinung erstellen, die dann auch in der Gruppe „Gemeinsame Bewusstseinskultur“ gerichtet ist. So erscheint diese Gruppen-Meinung auch in der Gruppe „Gemeinsamen Bewusstseinskultur“, obwohl du bei dieser Gruppe gar kein Mitglied bist. Probiere es doch einfach mal aus.


ANTWORT auf Gemeinsame Bewusstseinskultur:
- Eine Gemeinsame Bewusstseinskultur widerspricht einer Vielfalt nicht. Nur durch die Tatsache, dass man zur Gruppe der Internetbenutzer gehört, bedeutet das noch lange nicht, dass in dieser Gruppe Einfalt herrscht.
- Von welchen Prozentzahl spricht du?
Weitere Fragen zur Gemeinsamen Bewusstseinskultur bitte hier posten: http://de.consenser.org/node/2159


ANTWORT auf hermeneutischer Zirkel:
PUNKT effektivere Vorverständnis:
Kann auch einfach durch „angepasstes“ Vorverständnis ersetzt werden. Jedoch gehe ich davon aus, das die Personen die das Kommunikationswerkzeug „Schnittmenge“ verwenden die Welt ähnlich konstruieren und bei steigender Anzahl der Benutzer auch die entstehenden Irritationen in das Kommunikationswerkzeug mit eingebunden werden, womit es zu einem konstanten Verbesserungsprozess kommt, um das angestrebte Ziel „effektiver“ erreichen zu können. Des Weiteren kann sich mit dem „angepassten“ Vorverständnis auch die Zielsetzung an sich ändern.

PUNKT andere Ziele ergeben:
Das Vorverständnis bestimmt, was für eine Art von Ziel man sich setzt. Die Personen, die bereit sind an der Entwicklung von dem Kommunikationswerkzeug mitzuarbeiten, verfolgen ähnliche Ziele. Doch durch die gezielte Kombination verschiedenen Fachbereiche entsteht neues Wissen, das zu einer neuen Bewertung der gesetzten Ziele führen kann, die dann auch entsprechend angepasst werden kann. Das heißt.
1. Vorauswahl: Eigentlich beschäftigen sich nur die Personen mit dem Kommunikationswerkzeug Schnittmenge, die die Ziele einer Gemeinsamen Bewusstseinskultur für sinnvoll halten.
2. Vorverständnis: Wer das Kommunikationswerkzeug „Schnittmenge“ verwendet, konstruiert die Welt auf einer ähnlich Weise. => So habe diese auch ähnliche Ziele.
3. Gemeinsamer Lernprozess: Der gemeinsame Lernprozess kann zu einem „angepasstem“ Vorverständnis führen. Zum einem kann das zu einem effektiverem Kommunikationswerkzeug beitragen, und zum anderen auch zu anderen Zielen führen – die, aus Blickwinkel der Entwickler und Anwender vom Kommunikationswerkzeug „Schnittmenge“ sinnvoll erscheinen.

PUNKT Wer ein Ziel hat, kann bewerten, was zielführend (richtig, wahr) ist und was nicht.:
Eine absolute Wahrheit ist unerreichbar (http://de.consenser.org/ger/consenser/1268 ). Doch jeder kann die Effektivität seines Handelns an der Erreichung von zuvor gesteckten Ziele messen. Richtig und wahr ist dann das, was einem seinem Ziel näher bringt. (Pragmatische Wahrheitstheorie: http://de.consenser.org/node/2056 )
Wer keine Ziele hat, ist wie das Boot im offenem Meer, deren Richtung von der Strömung und dem Wind bestimmt wird. An welchen Zielen jemand sein Handeln ausrichten möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden.


=> Konklusion
Unser Vorverständnis ist geprägt von unserer persönlichen Lebensgeschichte. Eine zukünftige Vision, erlaubt es mir das Vorverständnis entsprechend „anzupassen“ und mich selbst aus dem Diktat der Vergangenheit herauszuziehen. Das neue „angepassten“ Vorverständnis, kann Einfluss auf den Weg, sowie auf die ursprünglichen Vision nehmen. Damit habe ich den hermeneutischen Zirkel auf den Kopf gestellt bzw. auf die Zukunft hin angewendet.

Eine Gemeinsame Bewusstseinskultur ist die Definition eines Ziel, dass ICH für erstrebenswert halte. Kommunikationswerkzeug „Schnittmenge“ soll das „angepasste“ Vorverständnis werden, so dass auch andere, meine für sinnvoll empfindende Ziele als erstrebenswert empfinden. Gleichzeitig wird der Weg zur Erreichung dieser Ziele vereinfacht. Jeder ist frei zu entscheiden, ob er die Verwendung vom Kommunikationswerkzeug „Schnittmenge“ für sich sinnvoll hält, alleine das verhindert Konflikte und öffnet den Raum für gemeinsames Lernen, die mitmachen.

Der hermeneutische Zirkel ist die theoretische Rechtfertigung die den Sinn der Entwicklung des Kommunikationswerkzeug „Schnittmenge“ skizzieren soll. Doch wichtiger ist der praktische Beweis, dass die Verwendung der gezielt entwickelte Sprache, die gesetzte Ziele wahrscheinlicher machen. Nur durch die vorweggenommenen Ziele hat man das Kriterium, die richtigen Unterscheidungen, Beobachtungsperspektiven und Selektionsverfahren in das Kommunikationswerkzeug „Schnittmenge“ zu integrieren.

Ich freue mich auf Meinungs-Beiträge (rote Sprechblase – nur für Registrierte) oder Kommentare auf Meinungen (auch für nicht Registrierte) im Diskurs-Projekt „Schnittmenge“: http://de.consenser.org/ger/consenser/875

sich selbst aus dem Diktat der Vergangenheit herausziehen

Verfasst von Kommentator (nicht überprüft) am 3. November 2010 - 11:06.

PUNKT effektivere Vorverständnis:
=> warum nicht ganz einfach durch "Konstruktivismus" ersetzen. Dann ist alles gesagt.

PUNKT andere Ziele ergeben:
=> die Antworten widerlegen nicht wirklich meine kleine Kritik. Z.B. "Doch durch die gezielte Kombination verschiedenen Fachbereiche entsteht neues Wissen" => aber auch durch Nicht-Kombination, was u.U. vielleicht sogar mehr Wissen erzeugen könnte.

PUNKT Wer ein Ziel hat, kann bewerten,
"Wer keine Ziele hat, ist wie das Boot im offenem Meer, deren Richtung von der Strömung und dem Wind bestimmt wird. " => Ist das nicht gerade Autopoiesis? o.k., o.k., der Anschluss der Operation ist die Strömung und der Wind.

=> conclusio: Alles Gesagt ist weiterhin kontingent. Meine kleine Kritik wurde nicht entkräftet. Warum die nicht entkräftet werden kann, siehe Luhmann....

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PUNKT effektivere

Verfasst von Schnittmenge am 3. November 2010 - 13:11.

PUNKT effektivere Vorverständnis:
=> warum nicht ganz einfach durch "Konstruktivismus" ersetzen. Dann ist alles gesagt.
Antwort: Wortspielerei

PUNKT andere Ziele ergeben:
=> die Antworten widerlegen nicht wirklich meine kleine Kritik. Z.B. "Doch durch die gezielte Kombination verschiedenen Fachbereiche entsteht neues Wissen" => aber auch durch Nicht-Kombination, was u.U. vielleicht sogar mehr Wissen erzeugen könnte.
Antwort: Nicht mehr Wissen ist erstrebenswert, sondern gezielt das richtige Wissen schaffen. Die Ziele einer Gemeinsamen Bewusstseinskultur werden nur durch eine interdisziplinären Zusammenarbeit erreichbar.

PUNKT Wer ein Ziel hat, kann bewerten,
"Wer keine Ziele hat, ist wie das Boot im offenem Meer, deren Richtung von der Strömung und dem Wind bestimmt wird. " => Ist das nicht gerade Autopoiesis? o.k., o.k., der Anschluss der Operation ist die Strömung und der Wind.
Antwort: Ist klar, nicht?

=> conclusio: Alles Gesagt ist weiterhin kontingent. Meine kleine Kritik wurde nicht entkräftet. Warum die nicht entkräftet werden kann, siehe Luhmann....
Antwort: Auch meine Konklusion wurde nicht widerlegt.

PUNKT effektivere

Verfasst von LutzEbeling am 3. November 2010 - 19:04.

I) Antwort: Wortspielerei
=> stimmt ;-)

II) Antwort: Nicht mehr Wissen...
=> o.k. habe ich verstanden. Trifft aber nicht den Zielpunkt meiner Frage.

A) Ich versuche es kausallogisch/mathematisch:
Es gibt 2 logische Zusammenhänge

a) Nicht mehr Wissen ist erstrebenswert, sondern gezielt das richtige Wissen schaffen.
b) Die Ziele einer Gemeinsamen Bewusstseinskultur werden nur durch eine interdisziplinären Zusammenarbeit erreichbar.

a) v b) => sei wahr / bewährt. => Einverstanden

a) ^ b) => nicht wahr/bewährt. Sprich die Schnittmenge von a) und b) ist nicht zwangsläufig erstrebenswerter (aus
a))

Um die Vollständigkeit zu beweisen,
Sei dann aus b) "Gemeinsamen Bewusstseinskultur" -> transformiert in c) besser == erstrebenswerter auch wahr/bewährt

ist a)^b) auch nicht wahr.

Das heißt im Umkehrschluss eine gemeinsame Bewusstseinskultur muss nicht zwangsläufig zu erstrebenswerterem richtigen Wissen führen. Klar? Ich glaube kaum ;-)

B) man könnte auch sagen, wertgeladen Begriffe wie "erstrebenswert" oder "gemeinsam" haben wenig Aussagekraft. Sie dienen höchsten der strukturellen Kopplung bzw. dem Marketing.

=> dann ist das o.k. Verstanden.

III) Antwort: Auch meine Konklusion wurde nicht widerlegt.
=> stimmt :-)

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Wunderbar, wir verstehen uns

Verfasst von Schnittmenge am 3. November 2010 - 20:50.

Wunderbar, wir verstehen uns in allen Punkten, bis auf die mathematische Beweisführung. Da komme ich jetzt nicht ganz mit.

Denn wenn a = w und b = w dann ist auch
a v b => w
a ^ b => w