Experten fordern radikale Neuerungen – Bottom-Up-Lernen

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Verfasst von Schnittmenge am 9. Januar 2010 - 10:38.

Wenn wir für Finanzkrisen, Klimawandel und internationale Konflikte gewappnet sein wollen, brauchen wir radikale Neuerungen. Diese Experten* fordern multilaterale Strukturen, wobei Politik, Wirtschaft und Forschung besser vernetzt werden müssten.

 

Phänomen der schwarzen Schwäne

Unsere Theorie der weißen Schwäne war solange richtig, bis ein schwarzer Schwan in Australien entdeckt wurde. Eine Theorie kann durch einen einzigen schwarzen Schwan widerlegt werden.

Das Unerwartete wird immer wieder eintreten, und unsere Theorien die Zukunft betreffend "über den Haufen schmeißen". Wir überschätzen unser Wissen und unterschätzen die Ungewissheit. Der Versuch, den Lauf der Geschichte auf scheinbare Gesetzmäßigkeiten zurückführen, sei daher eher mit dem berühmten Lesen im Kaffeesatzes zu vergleichen.

»Werfen Sie rasch all Ihre Risiko-Ratgeber aus Ihrer Bibliothek«, empfahl Herr Nassim Taleb.

Siehe auch: Die Geschichte von den blinden Männern und dem Elefanten =>

 

Es gibt kein taugliches Instrumentarium zur Gestaltung unser Zukunft

Wir leiden unter einem „Komplexitäts-Overload“, wir werden dre vielen Problemen nicht mehr Herr: Armut, niedergehender Mittelstand, handlungsunfähiger Staat, Stadt-Land-Konflikt, zu hohe Abhängigkeit von fossilen Energieträgern, Zunahme zwischenstaatlicher Konflikte, handelnde Politik hat kein Problembewusstsein, ...

 

Lösungsansatz

Wir brauchen neue Strukturen, die zu besseren Ergebnissen führen. Mein persönlicher Vorschlag ist eine Kultivierung des Bottom-Up-Lernens. Doch was ist das?

TOP-DOWN-LERNEN

Wer ein guter Rechtsanwalt, Ingenieur oder Bänker werden will, der sollte sich einen guten Lehrer suchen. Die verschiedenen Einzelwissenschaften sind voll von Werkzeugen und Methodenwissen, mit deren Beherrschung einem erfolgreichem Leben innerhalb einer Einzelwissenschaft nichts mehr im Wege stehen sollte. Das nenne ich Top-Down lernen. Das Wissen liegt vor, es geht nur darum, auf welchen Weg wir uns dieses Wissen aneignen und in Können umsetzen: Bücher, private Lehrer, öffentliche Universitäten, E-Learning, ... Doch passt auf die schwarzen Schwäne auf!

 

BOTTOM-UP-LERNEN

Auf der einen Seite wächst unser Wissen, sodass es in immer kleinere Teildisziplinen zersplittert wird. Wir entscheiden uns daher meistens für eine oder ein paar Teildisziplinen, in denen wir uns trainieren. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit Experte in vielen Gebieten gleichzeitig zu sein.

Auf der anderen Seite werden die Herausforderungen immer komplexer. Klimaerwärmung, Umweltzerstörung und Armut sind nicht mit den Werkzeugen oder dem Methodenwissen einer Einzelwissenschaft zu lösen, sondern bedürfen einer interdisziplinären Herangehensweise.

Beim Bottom-Up-Lernen liegt nur das Lernziel fest, jedoch nicht das dazu notwendige Wissen, um dieses Lernziel zu erreichen. Es gibt weder Lehrer noch Universitäten, die uns Top-Down unterrichten könnten. Wir werden alle zu Schülern, die sich auf einen gemeinsamen Lernweg begeben. Wissen aus verschiedenen Bereichen wird zielorientiert miteinander kombiniert, neue Ideen und bessere Lösungen werden gefunden.

 

Consenser.org ist ein Werkzeug, mit welchem Sie eine Herausforderung in einen gemeinsamen Lern-Weg umwandeln können.

Die Vision einer Gemeinsamen Bewusstseinskultur macht uns bewusst, welches Wissen wir uns erarbeiten müssen, damit wir tauglichere Instrumente zur Gestaltung unserer Zukunft verfügen.


Quelle: Die Zeit

Die Experten: Hildegard Aichberger, Geschäftsführerin des World Wildlife Fund, Wilhelm Bründlmayer, Winzer, Erhard Busek, Vorstand des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa, Knut Consemüller, Vorsitzender des Rats für Forschung und Technologieentwicklung, Claus Faber, Leiter der Abteilung Wirtschaft der Gewerkschaft vida, Franz Fischler, ehemaliger EU-Kommissar, Karin Frick, Vorstandsmitglied Gottlieb Duttweiler Institut, Friedhelm Frischenschlager, Gründungsmitglied des Liberalen Forums, Dietmar Halper, Direktor der Politischen Akademie der ÖVP, Clemens Jabloner, Präsident des Verwaltungsgerichtshofs, Gerald Karner, Strategie- und Organisationsberater, Hannes Kratzer, Geschäftsführer Peri Consulting, Heiko Kretschmer, Geschäftsführer bei Johanssen+Kretschmer, Karl-Rudolf Korte, Politikwissenschafter an der Universität Duisburg-Essen, Franz Kühmayer, Reflections Research & Consulting, Lothar Lockl, grüner Bundesparteisekretär, Viola Neu, Politologin der Konrad-Adenauer-Stiftung, Anton Pelinka, Politikwissenschafter an der Central European University Budapest, Volker Perthes, Vorsitzender der Stiftung Wissenschaft und Politik, Ronald Pichler, Leiter Public Affairs der OMV, Peter Radunski, ehemaliger Wissenschaftssenator des Landes Berlin, Georg Rebernig, Geschäftsführer des Umweltbundesamts, Martin Säckl, Partner der European Affairs Consulting Group, Ulrike Schelander, Geschäftsführerin Care Österreich, Thomas Schmidinger, Politikwissenschafter der Universität Wien, René Schmidpeter, Leiter des Programms Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen bei der Bertelsmann Stiftung, Jürgen Turek, Vize-Direktor des Centrums für angewandte Politikforschung, Barbara Unmüßig, Vorstandsmitglied der Heinrich Böll Stiftung, Helmut Wachowiak, Leiter Tourismusmanagement an der FH Bad Honnef-Bonn, Ole Wintermann, Projektmanager Bertelsmann Stiftung, Hans Zeger, Obmann ARGE Daten, Wolf Dieter Zumpfort, Leiter der TUI-Repräsentanz in Berlin, Gabriele Zuna-Kratky, Direktorin des Technischen Museums Wien
 



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