Einführung: Erkennen
Erkennen entsteht beim Zusammentreffen einer Bottom-up-Verarbeitung (Von-unten-nach-oben) auf eine Top-down-Verarbeitung (Von-oben-nach-unten).
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Input-Verarbeitung
Bei der Bottom-up-Verarbeitung werden Ausschnitte einer physikalischen Realität in sinnliche Empfindungen umgewandelt. Dieser Prozess ist datengeleitet.
Output-Handlung
Der Input wird beeinflusst durch
- den aktuellen emotionalen Zustand,
- unseren Erfahrungen, Wissen, Können, kulturellen Prägungen und Sprachen,
- regulativen Ideen, wie unser Glaube, unseren Theorien und Zielen.
Der Output läuft zu einem hohen Prozentsatz in unserem Unterbewusstsein ab und ist konzeptorientiert.
Tatsachen
Eine Tatsache ist ein Vorgang der äußeren Realität, der aus einem Ding und seiner Bewegung besteht.
Sinnliche Auswirkung
Augen, Ohren, Haut, Nase und Zunge sind Sinnesorgane, die physikalische Realitäten in sinnliche Auswirkungen umwandeln. Nachdem wir nur bestimmte Sinnesbereiche wie beispielsweise das Hören und Sehen wahrnehmen können, gelangt auch nur ein kleiner Teil der Gesamtheit unserer Außenwelt in unsere Innenwelt.
Empfinden
Unser Ohr verwandelt fleißig Geräusche in elektrische Impulse um, die im Hirn in akustische Wahrnehmung umgewandelt werden. Unsere Innenrezeptoren (z.B. Rezeptoren für die Sauerstoffkonzentration im Blut) melden dem Hirn ständig Differenzen zwischen Sollwerten und Istwerten. Das steuert unbewusst unsere Aufmerksamkeit. Wir können unsere Aufmerksamkeit aber auch bewusst auf etwas lenken. Wenn wir uns fest auf eine Arbeit konzentrieren, kann es sein, dass wir diese Geräusche nicht wahrnehmen.
Erkennen
Erkennen besteht aus der Identifizierung und Einordnung von Empfindungen durch unsere Innenwelt (rot) und durch das Konzept unserer Mitwelt (magenta). Die bewusst wahrgenommenen Vorgänge der Umwelt werden durch Übereinkunft innerhalb einer Sprachgemeinschaft durch Begriffe für Dinge und deren Bewegung symbolisiert.
Emotionaler Zustand
Der durch Vorgänge der Außenwelt hervorgerufene emotionale Zustand in einem gegeben Moment und Ort filtert unsere Empfindungen und Wahrnehmungen. Wer gerade wüten ist, schmeckt seinen Kaugummi nicht mehr.
Erfahrung
Erfahrung sammeln wir durch den unaufhörlichen Versuch, die Außen-, Innen- und Mitwelt als widerspruchsfreies Ganzes zu konstruieren. Voraussetzung dafür ist die Speicherfunktion des Hirns.
Regulative Ideen
Theorien, Glauben und Ziele beeinflussen unser Denken und damit das, was wir als unsere Empfindungen erkennen. Was wir erkennen, erscheint im Licht unserer Vorkenntnisse und dient trotzdem als Rückmeldung. Bei positiver Rückmeldung werden unsere Erfahrungen und regulativen Ideen bestätigt. Bei negativer Rückmeldung müssen wir unsere Erfahrungen und regulativen Ideen überdenken. Die Zusammenführung von Verstand und Vernunft in den Begriff „Denken“ öffnet eine Tür für die neuen materialistischen Theorien der Gehirnforscher.
Mitwelt
Der Begriff der Mitwelt wurde eingeführt, um Folgendes herauszukristallisieren: Es sind unsere Mitmenschen, die dafür verantwortlich sind, was wir wie erkennen. Ein Kind, das bei einem Wolf aufwächst, erkennt die Außenwelt der Dinge anders, als ein Kind, das bei Ihnen aufwächst. Es sind unsere Mitmenschen, die uns Rückmeldungen geben, ob wir etwas richtig erkannt haben oder nicht. Dem Ding ist es egal, wenn es fehlinterpretiert wird, unseren Mitmenschen hingegen nicht. Kultur liefert uns regulative Ideen und nicht das Ding an sich. Abhängig von den Rückmeldungen unserer Mitmenschen reifen unsere regulativen Ideen.
Ein paar Beispiele:
- Der Sonnengott gibt Leben. (Altes Ägypten)
- Die Sonne dreht sich um die Erde. (Die Kirche)
- Wir haben einen freien Willen. (Kant)
- Wir haben keinen freien Willen. (Wolf Singer)
Wir fühlen uns bei Mitmenschen mit ähnlichen regulativen Ideen wohler, als bei Menschen, die uns negative Rückmeldungen geben. => Sage mir, mit wem Du umgehst, und ich sage dir, was Du erkennst.
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