Sprache und Denken

. Standpunkt von Gruppe: Sprache
Überarbeitet von Schnittmenge am 14. November 2011 - 12:08

  

Ausgangsbasis:  Zusammenhang von Sprache und Denken: kann man ohne Sprache denken ( nichtbegriffliches Denken?!: Animal Cognition, Pre-Linguistic Cognitive Developmental Psychology, ...)
============================================================>

Kann man ohne Sprache denken? 
- In Begriffen denken:
Man könnte sich an das Thema heran tasten indem man fragt: wie denken wir Menschen eigentlich? Eine naheliegende Antwort ist, dass wir in/mit Begriffen denken.

Wer denken will benötigt Begriffe, dh. er muss über Sprache verfügen - es sei denn es kann plausibel gemacht werden, dass es möglich ist, mit nichtsprachlichen Begriffen zu denken. Was aber sind nichtsprachliche Begriffe (NSB)?  Klingt das nicht überhaupt vollkommen absurd von NSBs zu sprechen? Was einen Begriff zu einem Begriff macht ist seine sprachliche Erscheinungsform. Wer also von NSB sprechen will - so könnte man entgegnen -  hat überhaupt nicht verstanden was Begriffe sind; aber was sind eigentlich Begriffe? Wie wird man ein souveräner "Begriffsanwender"?

- In Bildern denken:
Eine andere plausible Antwort auf die Frage "Kann man ohne Sprache denken" lautet: Ja natürlich, in Bildern. Geistige Bilder als ein durchaus reges mentales Leben (insb. bei Tieren).

Aber vgl. zum unten angeführten Beispiel: denken besteht doch grundlegend darin, dass man urteilt, z.b "Die Katze ist am Baum" ... wie kann man aber in Bildern urteilen? Wahrscheinlich gar nícht, nur was macht dann der Hund? Der Verweis auf Bilder als Denkakte ist offensichtlich ein falscher Weg.

Ein klassischen Beispiel aus der Literatur:

Nehmen wir einmal an, unser Hund jage die Nachbarskatze. Diese rast mit Volldampf auf eine Eiche zu, schwenkt aber im letzten Moment plötzlich ab und verschwindet auf einem nahen Ahorn. Der Hund sieht dieses Manöver nicht und stellt sich, bei der Eiche angekommen, auf die Hinterbeine, kratzt mit den Pfoten am Stamm, als wolle er hochklettern, und bellt aufgeregt zu den Ästen hoch. Wir, die wir die Episode vom Fenster aus beobachten, sagen: „Er denkt, die Katze sei diese Eiche hoch geklettert.“

Denkt der Hund dies wirklich? 

--> was heißt überhaupt denken? Besteht Denken im haben von Gedanken: ist das der berühmte sogenannte Gedankenstrom? 

Das oben genannte Beispiel stammt von N. Malcom (übrigens ein sehr schön zu lesender Aufsatz: dt.  als "Gedankenlose Tiere" in: Der Geist der Tiere. Philosophische Texte zu einer aktuellen Debatte, Suhrkamp 2005), welcher zu der Conclusio kommt, dass der Hund denken kann, aber dass er keine Gedanken hat. Es besteht nach Malcolm also ein Unterschied zwischen Denken und Gedanken.

Privatsprachenargument (Wittgenstein)
Ich (wer ist Ich?) halte das Privatsprachenargument (P) für eines der wichtigsten philosophischen Gedankenleistungen überhaupt.

Genaueres folgt ... als Einstieg der wikieintrag zum "P":

Eine Privatsprache ist nach Wittgenstein eine Sprache oder Sprachspiel, bei welcher prinzipiell nur der Sprecher selbst um die Bedeutung der Worte dieser Sprache wissen kann. Der Fall eines Robinson Crusoe zählt nicht als Privatsprache, weil dieser prinzipiell in der Lage ist, die Bedeutung seiner Sprachelemente anderen mitzuteilen. Wittgensteins Beispiel ist eine Empfindungssprache: "Die Wörter dieser Sprache sollen sich auf das beziehen, wovon nur der Sprechende wissen kann; auf seine unmittelbaren, privaten Empfindungen." (PU 243) Im Privatsprachenargument zeigt er, dass die Verwendung von Wörtern einer Privatsprache sinnlos ist. Indem Wittgenstein sich gegen die Möglichkeit einer solchen Sprache wendet (PU 258), wendet er sich gleichzeitig gegen die These, dass in unserer eigenen Sprache Begriffe für Psychisches, wie z.B. das Wort "Schmerz", auf solche privaten Episoden Bezug nehmen. Nach Wittgensteins Bedeutungstheorie lernen wir solche Wörter in intersubjektiven Sprachspielen. Ein rein privates Erlebnis lässt sich aber nicht intersubjektiv vermitteln, wohl aber der Umgang mit ihm. Diese These kommt in dem berühmten Käfer-Gleichnis zum Ausdruck: "Angenommen, es hätte jeder eine Schachtel, darin wäre etwas, was wir "Käfer" nennen. Niemand kann je in die Schachtel des Anderen schauen, und jeder sagt, er wisse nur vom Anblick seines Käfers, was ein Käfer ist. [...] Das Ding in der Schachtel gehört überhaupt nicht zum Sprachspiel, auch nicht einmal als ein Etwas, denn die Schachtel könnte auch leer sein." (PU 293)

Gibt es so etwas wie eine "Language of Thought"?

Eine Sprache des Denkens, was ist das? 

vgl. zum obigen Privatsprachenargument, scheint das eine völlig konträre Position/Idee zu sein.


Das könnte Sie auch interessieren!

Consensus

  • Zum gewählten Schlagwort liegen keine Beiträge von dieser Zellen-Art vor.

Gruppe

Gruppen-Meinung

  • Zum gewählten Schlagwort liegen keine Beiträge von dieser Zellen-Art vor.

Meinung

  • Zum gewählten Schlagwort liegen keine Beiträge von dieser Zellen-Art vor.