Die Wahrheit als Elefant

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Überarbeitet von Schnittmenge am 14. Januar 2010 - 20:30
Die Wahrheit als Elefant

Die Geschichte von den blinden Männern und dem Elefanten

Die Wahrheit ist für jeden Menschen so unterschiedlich, wie wenn blinde Männer unterschiedliche Körperteile eines Elefanten untersuchen. Sie kommen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen:
Der Blinde, der das Bein befühlt, sagt, dass ein Elefant wie eine Säule ist; der, der den Schwanz befühlt, dass ein Elefant wie ein Seil ist; der, der den Rüssel befühlt, dass ein Elefant wie ein Rohr ist; der, der das Ohr befühlt, dass ein Elefant wie ein Handfächer ist; der, der den Bauch befühlt, dass ein Elefant wie eine Wand ist; der, der den Stoßzahn befühlt, dass ein Elefant wie ein Ast ist.

Die Männer begannen zu streiten, was ein Elefant ist und die Schlichtung erschien unmöglich, da ja jeder aus seinem Blickwinkel recht hatte.

Da nahm einer der blinden Männer die Hand eines anderen Blinden und führte Sie über das Bein, um zu demonstrieren, dass ein Elefant wie eine Säule ist. Dann versetzten sich jeder der anderen Männer in die verschiedenen Positionen und untersuchten die anderen Körperteil des Elefanten, der Streit wandelte sich in eine lange Diskussion, bis man einen Konsens gefunden hatte, was ein Elefant ist. Doch, dass Elefanten grau sind, das erfuhren die blinden Männer nie.

Ist diese Aussage wahr? 1101 + 1001 = 10110


Ein Elefant!Induktion und Deduktion

Die Erfahrung jedes einzelnen Blinden wurde in einer Elefantentheorie vereinigt (Induktion): Ein Elefant besteht aus einer Säule, einem Seil, einem Ast, einem Handfächer, einem Rohr sowie einer Wand.

Dank dieser Elefantentheorie hatten die blinden Männer die notwendigen Kriterien definiert, um beim nächsten Mal mit „Sicherheit“ feststellen zu können, ob vor ihnen ein echter Elefant steht (Deduktion).

 

Induktion – Von der Erfahrung auf das Allgemeine schließen

Die Elefantentheorie baut auf den Erfahrungen der blinden Männer auf. Das Gehirn versucht Muster zu erkennen diese zu verallgemeinern. Das Baby schlägt gegen die Rassel und diese gibt Geräusche von sich. Das Baby wiederholt diesen Vorgang immer wieder und lernt so seine Umwelt immer besser kennen. Das Gehirn lernt: Es verbindet Sinneseindrücke mit Muskelbewegungen, es erkennt Zusammenhänge und verallgemeinert diese Erfahrung. Jeder Mensch hat eine Ansammlung von unbewussten und bewussten Verallgemeinerungen, die unser tägliches Leben vereinfachen. Unsere Überzeugungen, Glaubenssätze und Theorien bestimmen unser Leben.

 

Deduktion – Vom Allgemeinen auf das Spezielle

Wer die Elefantentheorie akzeptiert weiß, dass es sich um einen Elefanten handelt, wenn alle Kriterien der Theorie erfüllt sind. Dies bedeutet innerhalb einer Theorie können wahre Aussagen gemacht werden. Beispiel:

Induktion: "Sokrates ist sterblich" und "Sokrates ist ein Mensch",
=> Verallgemeinerung "Alle Menschen sind sterblich."

Deduktion: Aus der Verallgemeinerung "Alle Menschen sind sterblich." und "Sokrates ist ein Mensch."
=> "Sokrates ist sterblich". (wahr)

 

Bei der Mathematik verhält es so ähnlich, jedoch baut die Theorie nicht auf Erfahrungen auf, sondern auf Axiome. Ein Axiom ist eine unbegründete Vornahme. Diese „unwahre“ Basis ist so gewählt, dass innerhalb des Axiomensystems (z.B. Mathematik, Logik) logische Schlüsse widerspruchsfrei gezogen werden können.

Ist diese Aussage wahr? 1101 + 1001 = 10110

Wenn Sie eine Aussage auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen wollen, so müssen Sie wissen auf welche Theorie, System, Kontext diese Aussage sich bezieht.

1101 + 1001 = 10110
(wahr im Binärsystem, falsch im Dezimalsystem => 2102)

13 + 9 = 22 (Dezimalsystem)
  D+ 9 = 16 (Hexadezimalsystem)


Take Aways

Nun, es gibt eine Überflut an Verallgemeinerungen, Regeln, Theorien, Systemen und Weltanschauungen, die sich oft widersprechen. Das ist nicht überraschend, denn wie wir die Wirklichkeit erfahren, wird von sprachlichen, psychologischen, sozialen, historischen und physischen Faktoren des Beobachters beeinflusst.

Sie können Theorien durch Axiomatisierung oder Kalkülisierung auf eine Menge von Sätzen reduzieren, die unabhängig sind von der Wirklichkeit. Dadurch werden viele Erkenntnis-/ Probleme elegant umgangen und effektivere Kommunikationssysteme können konstruiert werden. Die Computersprachen stellen ein leuchtendes Beispiel dar.

Finden Sie bei wichtigen Gesprächen zuerst heraus, nach welchen Verallgemeinerungen, Werten, Glaubensätzen, Weltanschauung ihr Gesprächspartner tickt und versuchen Sie dann in dem Denksystem des Gesprächspartners zu argumentieren. Mit diesem Tipp wird jeder Rhetorikkurs hinfällig!

=> Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass eine „absolute“ Wahrheit nicht beweisbar ist. Des Weiteren wurde zu viel Blut im Kampf um die Wahrheit vergossen. Der ideologische Kampf ist der Hauptproduzent menschlichen Leidens auf der Welt. Wir sollten die unterschiedlichen "absoluten Wahrheiten" lieber einheitlich Nichtwissen nennen und uns über die verschiedenen Theorien unterhalten, innerhalb derer wir wahre Aussagen machen können.
 

Wir können vier Wahrheitstheorie-Gruppen bilden:

  • Tatsachen als Wahrheitsbeweis
  • Zuschreibung von Wahrheit
  • Geschlossene Wahrheitssysteme
  • Nachweisverfahren von Wahrheit

 

Lesen Sie weiter, denn wer die verschiedenen Wahrheitstheorien kennt, wird flexibler in sein Denken, versteht andere Menschen besser und sein Handeln wird bewusster.

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