Utz Claassen

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Überarbeitet von Schnittmenge am 18. September 2009 - 23:57

Utz Claassen

(* 7. Mai 1963 in Hannover) ist ein deutscher Manager. Claassen ist Vorsitzender der BDI-Initiative „Innovationsstrategien und Wissensmanagement“, Mitglied der Forschungsunion Wirtschaft-Wissenschaft des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie ehemaliger Vorstandsvorsitzender der EnBW Energie Baden-Württemberg AG. Seit November 2001 ist Claassen Honorarprofessor an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover. Er ist zudem Mitglied des Stiftungsrates der Georg-August-Universität Göttingen.

 

Treffen:

Vortrag im KDF zu Thema: "Mut zur Wahrheit. Wie  wir Deutschland sanieren können"

 

Zur Person:

Karriere

Mit 17 legte Claassen an der Helene-Lange-Schule in Hannover das Abitur mit einem herausragenden Ergebnis ab (offiziell 1,0). Die Punktezahl des Abiturs wurde von populären Medien in die Note "0,7" umgerechnet, da das Abitur deutlich besser war, als für eine 1,0 mindestens erforderlich. 1981 wurde er deshalb von Joachim Fuchsberger in die ARD-Ratesendung Auf Los geht’s los eingeladen. Nach dem Studium an der Universität Hannover (Diplom-Ökonom, 1985) und an der University of Oxford (1985-1987) und Promotion (1989) in Hannover war Claassen bei McKinsey (1987-1989), Ford Europa (1989-1992), Volkswagen AG (1992-1994), Seat (1994-1997), der Sartorius AG (1997-2003) und der EnBW (2003-2007) tätig. Claassen hat, zumindest nach seinen Angaben, wobei dies - auch was den behaupteten Sanierungsbedarf angeht - umstritten ist, die Firmen Seat, Sartorius AG und EnBW "saniert". Da diese Umstrukturierungen teilweise mit erheblichen Entlassungen erreicht wurden, sind seine Tätigkeiten auch umstritten. Claassen hat mehrere Ämter in Verbänden inne, u. a. bei SPECTARIS, an dessen Neuausrichtung er mitwirkte, und als Vorsitzender der BDI-Initiative „Innovationsstrategien und Wissensmanagement“. Zusätzlich engagiert sich Claassen ehrenamtlich, u. a. als mehrjähriger Vorsitzender des Stiftungsvorstandes der Stiftung „Urgeschichtliches Museum Blaubeuren/Galerie 40tausend Jahre Kunst in Blaubeuren“ und als Mitglied des Vorstandes der Stiftung Niedersächsische Wirtschaftsforschung.

 

McKinsey 
Im Zeitraum 1987 bis 1989 war Claassen als Associate, später als Senior Associate in Projektleiterfunktion, bei der Unternehmensberatung McKinsey & Co. tätig.

 

Ford Europa 
Claassen betätigte sich bei Ford of Europe u. a. als verantwortlicher Controller und Mitglied des ersten Simultaneous Engineering-Teams mit bereichsübergreifenden Maßnahmen.

 

Volkswagen AG 
Claassen war ab 1993 Mitglied des Management des Volkswagen-Konzerns. Als offizieller Vertreter für den Markenvorstand Controlling und Rechnungswesen war Claassen Mitglied des Arbeitskreises zur Vorbereitung der Markenvorstandssitzungen und nahm verschiedentlich an den Sitzungen des Markenvorstandes teil.

Am 16.Juni 1992 trat Claassen als Hauptabteilungsleiter Funktionales Controlling in die Volkswagen AG ein, ab dem 1. Dezember 1992 war er Hauptabteilungsleiter im Bereich Controller Forschung und Entwicklung, ab dem 1. Juni 1993 leitete er den neu geschaffenen Bereich „Controlling Produktlinien“; ab dem 10. Juni 1993 war er Vertreter des Markenvorstandes Controlling und Rechnungswesen. Mit Wirkung zum 1. Juli 1993 wurde Claassen zum Bereichsleiter im Geschäftsbereich Controlling und Rechnungswesen ernannt und am 1. September 1993 in den oberen Führungskreis berufen.

 

Seat 
Als Finanzvorstand und Vertreter des Präsidenten der Seat S.A. sanierte er ab 1994 das Tochterunternehmen.

 

Sartorius AG 
Als Vorstandsvorsitzender der Sartorius AG hatte Claassen von 1997-2002 auch diverse Board- und Aufsichtsratsmandate im In- und Ausland inne.


EnBW 
Bei EnBW löste er am 1. Mai 2003 Gerhard Goll als Vorstandsvorsitzenden ab. Entgegen den Prognosen des Geschäftsberichtes 2002 fand er nach seinen - sehr umstrittenen - Aussagen ein höchst defizitäres Unternehmen vor.

Claassen wurde in der Folge vorgeworfen, nach seinem Amtsantritt die Lage des Konzerns schlechtgerechnet haben zu lassen, um sich dann als großer, erfolgreicher Sanierer darstellen zu können. Er geriet ins Visier der Staatsanwaltschaft, nachdem er nach seiner Amtsübernahme im Mai 2003 im Zwischenbericht Abschreibungen von einer Milliarde Euro auf Beteiligungen gebildet hatte, um nach eigenen Angaben die „Altlasten“ seines Vorgängers Gerhard Goll zu bereinigen. Als Claassen seine erste Halbjahresbilanz im August 2003 vorlegte, klaffte darin plötzlich ein Milliardenloch. Geschuldet sei es den neuen internationalen Bilanzregeln und diversen Altlasten, erläuterte der neue Vorstandschef. Bei den Vorwürfen ging es u. a. um eine 29,9-Prozent-Beteiligung an den Stadtwerken Düsseldorf, die 2001 für knapp 450 Millionen Euro erworben wurde. Nach seinem Amtsantritt musste Claassen diese Beteiligung bilanziell um 208 Millionen Euro, nahezu die Hälfte, abwerten, um der noch von Goll entschiedenen Umstellung der Bilanzierung von HGB auf IAS zu entsprechen. Die Staatsanwaltschaft Mannheim leitete daraufhin im Jahr 2005 ein förmliches Ermittlungsverfahren gegen Claassen wegen des Verdachts der Bilanzfälschung ein. Gegen Goll und drei weitere Vorstandsmitglieder des früheren Vorstandes war schon im Jahr 2004 aufgrund des Verdachts der Bilanzfälschung ein förmliches Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, weil sie die Zahlen für das Jahr 2002 geschönt haben könnten. Die Ermittlungen gegen Goll wurden im Februar 2006 eingestellt, die gegen Claassen am 17. Mai 2006.

Im April 2005 wurde bekannt, dass der Manager 2004 ca. 4,17 Millionen Euro Gehalt erhielt. Das Unternehmen hatte auf Initiative von Claassen hin im Sinne höchstmöglicher Transparenz für das Geschäftsjahr 2004 erstmals individualisierte Vorstandsvergütungen veröffentlicht, obwohl hierfür ein gesetzlicher Zwang noch nicht vorlag.

Weil Claassen sechs Mitglieder der baden-württembergischen Landesregierung sowie einen Staatssekretär des Bundes, die sämtlich im Amt mit der EnBW in Kontakt standen, persönlich zu Spielen der Fußballweltmeisterschaft 2006 einlud, ermittelte die Staatsanwaltschaft Karlsruhe gegen ihn wegen Vorteilsgewährung. Das Verfahren ging durch mehrere Instanzen bis vor das Landgericht Karlsruhe. Claassen wurde am 28. November 2007 vom Vorwurf der Vorteilsgewährung in allen sieben Fällen vollumfänglich freigesprochen. Am Ende des Verfahrens bezeichnete Claassen das Urteil als einen Sieg für den Sport, für das Sportsponsoring und dafür, dass auch künftig noch ein angemessener Kontakt und Diskurs zwischen Politik und Wirtschaft im gesellschaftlichen Rahmen möglich sei. Die Verfahren gegen die beiden Politiker, die das Angebot annahmen, wurden gegen Zahlung einer Geldauflage von jeweils 2500 Euro eingestellt.

Utz Claassen verließ, gemäß seinen Angaben, das Unternehmen am 30. September 2007 auf eigenen Wunsch vor dem Ende der offiziellen Vertragslaufzeit. Sein außergewöhnlich hohes Übergangsgeld wurde in der Öffentlichkeit heftig kritisiert und führte schließlich zu einer Kürzung künftiger EnBW-Übergangsgelder und Pensionszahlungen auf ein Drittel des an Claassen zu zahlenden Betrages.[1] Kritik an Claassens Führungsstil drang von Seiten seiner Mitarbeiter und Geschäftspartner wiederholt an die Öffentlichkeit. So wird behauptet, er habe bis zu 20 PR-Berater beschäftigt, die ihm unter anderem öffentlichkeitswirksame Auftritte bei Sabine Christiansen (Fernsehsendung) und anderen Talkshows beschafften.[2]

 

Cerberus 
Wie der Presse zu entnehmen war, wird Utz Claassen künftig für den amerikanischen Finanzinvestor Cerberus arbeiten. Als Principal Senior Advisor wird er Cerberus dabei beraten, in Deutschland und anderswo das Geschäft weiter auszubauen sowie Investitionsmöglichkeiten beurteilen.[3]

 

Sportfunktionär 
Claassen war im Jahr 1997 für einige Monate Präsident von Hannover 96. Bei Trainer, Spielern und Fans stieß Claassens Sanierungsplan für den Fußballverein auf starken Widerstand. Nachdem Claassen den Manager des Vereins, Franz Gerber, gegen den er auch erfolgreich verschiedene einstweilige Verfügungen erwirkte, fristlos entlassen hatte, wurde er aus dem Vereinsumfeld heraus massiv bedroht; es kam sogar zu Morddrohungen. Claassen selbst kam auf Empfehlung der Sicherheitsbehörden fortan mit Bodyguards ins Stadion. Zudem gab es dabei massiven Polizeischutz. Im Herbst 1997 trat Claassen nach einer mit großer Spannung erwarteten Rede auf der Mitgliederversammlung zurück. Sein Nachfolger Martin Kind führte den in der Regionalliga verharrenden zweimaligen deutschen Meister auf Anhieb in die 2. Bundesliga und später im Jahr 2002 in die Bundesliga.

Unter Claassen veranlasste die EnBW im Januar 2005 den Karlsruher SC, seinen neuen Cheftrainer Reinhold Fanz zu entlassen. Der Cheftrainer war erst eine Woche zuvor berufen worden. Die EnBW hatte damit gedroht, den laufenden Sponsorenvertrag nicht mehr zu erneuern, falls Fanz weiter für den KSC tätig bleibe. Den Hintergrund bildet eine sieben Jahre zurückliegende Auseinandersetzung zwischen Fanz und Claassen bei Hannover 96: Fanz war damals Trainer und Claassen der Präsident des Fußballklubs. In einem Interview der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung hatte Fanz dem Klubpräsidenten sämtlichen Fußball-Sachverstand abgesprochen und der Lüge bezichtigt.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Utz_Claassen | Stand: 16.09.2009

 

Bücher

Utz Claassen: Mut zur Wahrheit. Wie wir Deutschland sanieren können. Murmann Verlag, Hamburg, 2007 | ISBN 3-938017-83-X

Utz Claassen: Wir Geisterfahrer. Wir denken falsch. Wir lenken falsch. Wir riskieren die Zukunft unserer Kinder. Murmann Verlag, Hamburg, 2009 | ISBN 978-3-86774-066-1

 

Videos

Utz Claassen spricht über das Buch Geisterfahrer VIDEO

 

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Kalender-Eintrag: 
Freitag, 17 Oktober, 2008 - 13:00

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