Dr. Erhard Busek: Der gebildete Praktiker

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Verfasst von Schnittmenge am 7. Juli 2009 - 10:14.

Der ehemalige Vizekanzler von Österreich und Sonderbeauftragte des Stabilitätspaktes Südosteuropa Herr Dr. Erhard Busek brillierte am 06.07.2009 in Barcelona zum Thema Mitteleuropa.

 

Er machte deutlich, dass es mehrere Definitionen für Mitteleuropa gibt. Die größte Sympathie zeigte er bei einer kulturräumlichen Definition. Es sei das Gebiet, in dem man Frauen eine ungerade Zahl an Rosen schenkt. Er meinte damit die Bevölkerung, die sich überwiegend römisch-katholische bekennt.

 

Sein Vortrag war dreidimensional. Er bestand in der historischen Hintergrundbeleuchtung von Polen bis Kroatien, der gefühlten Stimmung im jeweiligen Land und in der Aufforderung diesen Länder respektvoll gegenüber zu treten und ihnen Zeit zu geben.

 

Am Beispiel der Slowakei zeigte er auf, wie das Land zu unrecht unterschätzt wurde. In Österreich hatte man vor der Grenzöffnung Angst, vom Nachbarn überrannt zu werden. Doch heute fahren mehr Österreicher in die Slowakei zum Arbeiten als umgekehrt.

 

Des Weiteren hat die weltweite Wirtschaftskrise weniger Impakt auf die osteuropäischen Länder, da diese zum einem ihr Geld nicht in amerikanische Wertpapiere angelegt haben und zum anderen über mehr Erfahrungen im Umgang mit wirtschaftlichen Schieflagen verfügen.

 

Bei den ehemals kommunistischen Staaten kann man bei der älteren Generation noch heute ihren ideologischen Ursprung erkennen. Bei der Jugend ist davon jedoch nichts mehr zu bemerken. Dr. Erhard Busek visualisierte die Tatsache, dass das erste Grundbedürfnis der jungen Leute der Besitz eines Autos aus dem Westen  und das zweite Grundbedürfnis darin bestehe, so schnell wie möglich zu rasen.

 

Immer wieder deutet Dr. Erhard Busek auf die psychologische Komponente in der Politik hin. Die großen EU-Staaten müssen die kleinen und neuen EU-Staaten mit Respekt und Zuversicht behandeln. Des Weiteren müsse man an einer gemeinsamen europäischen Geschichtsschreibung arbeiten. Als negatives Beispiel führte er das erste deutsch-französische Geschichtsbuch an, welches erst 2006 geschrieben wurde. Dr. Erhard Busek hebt die Bedeutung des Bildungsgrades bei den Verhandlungen hervor. Er beklagt, dass es kein gemeinsames europäisches Bildungskonzept gäbe, welches aber unbedingt geschaffen werden müsse.

 

Nach dem Vortag konnten die Zuhörer des Kdfs und ABCs (Austrian Business Circle) Fragen stellen. 



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Es ist grau ...

Verfasst von Schnittmenge am 10. Juli 2009 - 7:18.

Ich fand den Vortrag von Herr Dr. Erhard Busek sehr interessant. Er überzeugte mit seinem Wissen und seinen pragmatischen Schlussfolgerungen.

Der ehemalige Bundesminister für Wissenschaft und Forschung bzw. Unterricht und Kultur in Österreich fungiert zur Zeit als Rektor der Fachhochschule in Salzburg und leitet ein paar sehr erwähnenswerte Initiativen:


Institut für den Donauraum und Mitteleuropa
Das Institut für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM) befasst sich mit aktuellen Fragen des Donauraums, Mittel- und Südosteuropas und plant durch Wissensvermittlung, die Region betreffend, zur Entwicklung guter nachbarschaftlicher Beziehungen beizutragen. Link: http://idm.at

Europäische Forum Alpbach
Dabei treffen sich Referenten und Teilnehmer aus allen Teilen der Welt, von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, berühmte Experten und Studierende in Alpbach, um aktuelle Fragen der Zeit zu diskutieren und interdisziplinäre Lösungsansätze zu finden. Der offene Charakter der Veranstaltung soll ein Klima der Toleranz gegenüber anderen Meinungen schaffen. Er trägt zur Konsensfindung über staatliche, ideologische und disziplinäre Grenzen hinweg bei. Link: http://www.alpbach.org/index.php?id=332

Europa eine Seele geben
Eine Kernthese der Initiative besagt, dass die Entwicklung Europas auf die Kraft der Kultur angewiesen ist und diese nachhaltig nutzen muss. Dazu soll Kultur als strategischer Faktor begriffen werden, der in allen Bereichen der europäischen Politik zur Geltung kommen soll. Dieser Prozess, angestoßen aus der Mitte der Zivilgesellschaft, soll von unten nach oben wirken, damit ein Europa der Europäer entsteht und nicht nur ein Europa der Institutionen, der Administration und der Regelungen. Dafür sollen Diskurse über die Idee und die Zukunftsaussichten Europas geführt werden. Link: http://www.berlinerkonferenz.eu/


Meiner Meinung: Wer einen Diskurs von unten nach oben führen will, muss auch die entsprechenden Strukturen schaffen, damit die gewünschte Zivilgesellschaft daran teilnehmen kann. Dazu gehört auch der kostenlose Zugang zu Wissen. Solange man für Wissen bezahlen muss, wird dieser Diskurs innerhalb von Wissenschaftlern, Experten und Wohlbetuchten stattfinden. Die Zivilgesellschaft, vor allem aber der einkommensschwächere Teil bleibt außen vor.

Bildung darf sich nicht nur auf Schulen und Universitäten limitieren, sondern muss allgemein gefördert werden. Es bedarf einer Transformation des passiven Medienkonsumenten zum aktiven Meinungsbilder, der auf kostenfreies Wissen in einfacher Sprache zugreifen kann. Dies ist eine Voraussetzung, damit sich unsere Gesellschaft von unten weiterentwickelt und Bürger im aktiven Diskurs ihre eigenen Meinungen bilden können. So wird es weniger Menschen geben, die ihr Denken durch nationalistische Propaganda abkürzen.

Sieht man einen Diskurs als Kombination, bekanntes Wissens mit dem Ziel neues Wissen zu schaffen, so können wir Innovation dadurch fördern, Wissen kostenfrei zugänglich zu machen. Niemand kann eine geistige Leistung erbringen, ohne auf die geistige Leistung eines anderen aufzubauen. Das Manifest zum Schutz des geistigen Eigentums ist für mich ein Manifest, in welchem Geld wichtiger ist als geistiger Fortschritt. Okay, so einfach ist es nicht, die Sache ist weder schwarz noch weiß, sie ist grau. Deshalb möchte ich den Sachverhalt an einem realem Beispiel aufzeigen. Klicken Sie hier: http://de.consenser.org/node/1877

Nachdem ich Herr Dr. Erhard Busek und seine Ziele kennen gelernt habe, habe ich ihn unter Anbetracht des von mir geschilderten Blickwinkels per E-Mail gebeten, seine Unterstützung für die PLATTFORM GEISTIGES EIGENTUM (http://www.geistigeseigentum.com/index.php?m=viewarticle&ar=39) noch mal zu überdenken.

Mit freundlichen Grüßen,
Daniel Juling

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Stellungnahme von Herr Dr. Erhard Busek (E-Mail vom 15.07.2009)

Verfasst von Schnittmenge am 15. Juli 2009 - 13:56.

Herr Dr. Erhard Busek hat auf bitte eines Freundes seinen Namen für die "Plattform geistigen Eigentums" zur Verfügung gestellt.

Für eine inhaltliche Auseinandersetzung fehle Ihm die Zeit.

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