Diskurs

. Standpunkt von Gruppe: Jürgen Habermas praktikabel gemacht
Themenkreis:
Überarbeitet von Schnittmenge am 28. Juli 2009 - 12:29

Ein Diskurs ist in aller Munde. Doch nicht immer ist das Gleiche gemeint.

  • Es wird verwendet für einen „erörternden Vortrag“, ein „hin und her gehendes Gespräch oder für eine öffentliche Diskussion.
  • Auf Consenser.org ist es der Austausch von persönlichen Meinungen und Standpunkten von Experten-Gruppen, die auf der Suche nach Übereinstimmung (Consens) sind.
  • Je nach Autor Michael Foucault, Teun Van Dijk, Jean-Francois Lyotard, ... gibt es verschiedene Definitionen für Diskurs. Z.B. Der Diskurs benützt und erschafft unsere Sichtweise von der Welt, er erzeugt Sinnzusammenhang und Realität.
  • Konzentrieren wir uns auf Jürgen Habermas, wie er den Begriff Diskurs verwendet. Er unterscheidet zwei Ebenen der Kommunikation.
    • Die Ebene des kommunikativen Handelns mit ihren Geltungsansprüchen (vorheriges Kapitel) und
    • die diskursive Ebene, die notwendig wird, wenn sich einer der Geltungsansprüche als problematisch herausstellt.

 

Im Diskurs sollen die Geltungsansprüche wieder hergestellt werden, um in die Ebene kommunikativen Handelns zurückzukehren.

Wir haben ein meist unbewusstes lebensweltliches Bezugssystem (Sprache und Kultur), die Verständigung überhaupt erst ermöglicht. Damit unsere Kommunikation überhaupt einen Sinn ergibt, gehen wir davon aus, dass unser Gesprächspartner allen Geltungsansprüchen (Verständlichkeit, Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Richtigkeit) gerecht wird.
Wenn wir einen Geltungsanspruch in Frage stellen und problematisieren, dann treten wir aus der Mühle der Alltäglichkeit, in der wir immer schnell handeln und reagieren müssen heraus. Wir nehmen sozusagen eine Distanz zu den Dingen und zu uns selber ein und fragen uns, was wahr, wahrhaftig und richtig ist bzw. sprechen, diskutieren, streiten darüber.

Bei einem Diskurs ist nicht der praktisch alltäglich Handelnde, nicht der einsam sinnierende Denker, sondern eine diskutierende Gemeinschaft gemeint, welche die Geltungsansprüche überprüft und, wenn notwendig wieder herstellt.

Jetzt wird es interessant! Jürgen Habermas behauptet, wenn eine „ideale Sprechsituation“ bei einem Diskurs vorherrsche, so könne man den erzielten Konsens (Übereinstimmung) als Wahrheit und moralisch richtig bezeichnen. Jürgen Habermas definiert nicht den „Inhalt“ von Wahrheit und moralisch Richtigem, sondern nur die Voraussetzungen, die herrschen müssen, damit ein Konsens den Anspruch erheben kann, dass dieser wahr und moralisch richtig ist. Eine Einigung in einem idealen Diskurs in einer idealen Sprechsituation ist ein vernünftiger Konsens.

 

Diskurs-Arten

Diskurstheorie

Beim theoretischen Diskurs wird ein Wahrheitsanspruch an der Natur (die objektive Welt) überprüft (z.B. Legitimierung von Wissen über die Realität der Natur).

Diskursethik

Beim praktischen Diskurs wird ein Richtigkeitsanspruch an der Kultur (die soziale Welt) überprüft (z.B. Legitimierung von Werten und Normen).

Herrschaftsfreier Diskurs

Ein herrschaftsfreier Diskurs ist ein Diskurs, der die Regeln einer "idealen Sprechsituation" einhält.

Wie die „ideale Sprechsituation“ definiert ist, erfahren Sie im nächsten Kapitel.


Das könnte Sie auch interessieren!

Consensus

  • Zum gewählten Schlagwort liegen keine Beiträge von dieser Zellen-Art vor.

Standpunkt

Gruppe

  • Zum gewählten Schlagwort liegen keine Beiträge von dieser Zellen-Art vor.

Gruppen-Meinung

  • Zum gewählten Schlagwort liegen keine Beiträge von dieser Zellen-Art vor.