(Kommunikatives) Handeln

. Standpunkt von Gruppe: Jürgen Habermas praktikabel gemacht
Überarbeitet von Schnittmenge am 28. Juli 2009 - 16:08

habermas_geltungsanspruecheKommunikatives Handeln ist eine Handlungsart, wie Handlungen zwischen Gesprächspartnern koordiniert werden kann.

Beim kommunikativen Handeln stimmen sprach- und handlungsfähige Personen ihre Handlungen aufeinander ab.

Verständigung ist nach Jürgen Habermas erst dann erreicht, wenn jeder Hörer allen drei (vier) Geltungsansprüchen einer Aussage zustimmen können. Können sie das nicht, so müssen die Geltungsansprüche im Diskurs geklärt werden.


Die Geltungsansprüche

Verständlichkeit (Voraussetzung)

Die Bedeutung einer Aussage muss von allen Gesprächspartnern verstanden werden. Damit es zur Verständigung kommt, braucht man eine gemeinsame Schnittmenge an Sprache und Kultur.
Beispiel:
Im Hinterland von Barcelona geht ein deutscher Mann in eine Bar und bestellt auf Englisch einen Rotwein. Doch die Bedienung spricht nur katalanisch und steht mit fragendem Gesicht da. Deshalb zieht der Mann seine Digitalkamera heraus und zeigt der Bedienung ein Foto mit einem Rotweinglas. Die Bedienung lacht und zeigt dem Mann einen „Vogel“. Der Mann verlässt verärgert die Bar. Was war passiert?
Seitliches tippen auf den Schädel bedeutet in Spanien „Clever“, dagegen wird in Deutschland dieselbe Geste als ein Zeichen der Geringschätzung interpretiert. Verständlichkeit hat etwas mit der Sprachkompetenz der Beteiligten zu tun.

Wahrheit

Der behaupte Sachverhalt muss stimmen.
Beispiel:

2 + 2 = 4

Richtigkeit

Das Gesagte muss sich mit anerkannten Werten und Normen im Einklang befinden.
Beispiel:
„Du kannst ohne Probleme 180 km/h mit dem Auto fahren.“, behauptet Hans. „Nein, das kann ich nicht.“, sagt Joan, „in Katalonien liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 120 km/h.“

Wahrhaftig

Das, was der jeweilige Sprecher sagt, meint er ehrlich.
Beispiel:
„Bitte spare Dir Deine netten Worte, ich habe den Eindruck, dass Dir mein Bild gar nicht gefällt.“


Handlungsarten

Die vier Handlungsarten im Vergleich: das zweckrationale Handeln (Wahrheit), das normenregulierte Handeln (Richtigkeit), das dramaturgische Handeln (Wahrhaftigkeit) und das kommunikative Handeln (Verständlichkeit). Die Herleitung finden Sie im Kapitel "Universalpragmatik".

Als Überblick sollte folgende Tabelle genügen:

 
Zweckrationales Handeln
Normenreguliertes Handeln
Dramaturgisches Handeln
Kommunikatives Handeln
Geltungsanspruch
Wahrheit
Richtigkeit
Wahrhaftigkeit
Verständlichkeit
Rolle der Sprache
Einwirken auf andere Sprecher
Überlieferung kultureller Werte
Selbstinszenierung
Verständigung
Weltbezug
Objektive Welt (Zeugwelt)
Soziale Welt (Solidarwelt)
Subjektive Welt (innere Welt des Sprechers)
reflexiver Bezug auf alle drei „Welten“
Diskursformen
theoretischer Diskurs
praktischer Diskurs
ästhetische Kritik
explikativen Diskurs
Sprechakte
konstativer Sprechakt
regulativer Sprechakt
expressiver (repräsentativer) Sprechakt
kommunikativer Sprechakt

 

Zusammenfassend kann vereinfacht werden:

  • Das strategische Handeln ist auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet. Eine Person handelt strategisch, um seine Interessen durchzusetzen. ( z.B. kann sie breit sein zu lügen oder auch Einschüchterungsversuche unternehmen) Mehr Details gibt es HIER.
  • Dagegen bezieht das kommunikative Handeln auf eine herrschaftsfreien und verständigungsorientierten Kommunikation. Jeder, der kommunikativ handelt, erhebt damit die vier Geltungsansprüche, die von seinem Gesprächspartner ausgesprochen oder unausgesprochen akzeptiert werden. Treten Probleme mit einem der Geltungsansprüche - Verständlichkeit, Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Richtigkeit - auf, so werden diese im Diskurs geklärt.

 

Was ein „Diskurs” ist, erfahren Sie im nächsten Kapitel.

Wer tiefer in die Theorie einsteigen möchte, der lese das Kapitel „Universalpragmatik“.

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