Was 99,99% aller Menschen wollen

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Verfasst von Lutz am 22. Mai 2009 - 12:36.

Menschen sind als Säugetiere von den typischen Bedürfnissen angetrieben, die im Prinzip alle Säugetiere haben. Und die Ziele, die "99,99% aller Menschen" erreichen wollen, sind immer wieder die Befriedigung aller dieser Bedürfnisse. Nach Abraham H. Maslow ist ein Mensch gesund, wenn er immer wieder zur Befriedigung aller seiner Bedürfnisse gelangt. 

Was uns Menschen dabei von den anderen Säugetieren unterscheidet, ist im wesentlichen die größere intellektuelle Leistungsfähigkeit. Sie ist verbunden mit einigen körperlichen Merkmalen wie zum Beispiel mit der größeren Beweglichkeit der Finger, deren Bewegungen wir bewußter und gezielter steuern können als andere Tiere, oder mit dem aufrechten Gang, der uns die Hände frei hält zu vielen solchen bewußten und gezielten Handlungen. Potenziell befähigt uns diese größere intellektuelle Leistungsfähigkeit dazu, unsere Bedürfnisse viel besser zu befriedigen als andere Säugetiere das können, aber hier kam eine entscheidende neue Eigenschaft hinzu, die diesen großen Vorteil bisher systematisch immer wieder in Frage stellt und die uns heute sogar in eine ökologische Krise gebracht hat, die unsere ganze Existenz als biologische Art in Frage stellt: 

Unsere intellektuelle Leistungsfähigkeit hat eine kritische Grenze erreicht und überschritten, von der an sich von Generation zu Generation immer mehr Wissen anhäuft, so dass wir als einzige Tierart eine deutlich erkennbare Kulturgeschichte haben, in der auch die Wirksamkeit unseres Handelns durch die sich entwickelnde Technik immer größer wird. In diesem Zusammenhang droht uns eine Tradition zum Verhängnis zu werden, die noch aus dem Tierreich überliefert ist und die uns bisher systematisch daran hindert, hinreichend zu erkennen, was "99,99% aller Menschen" im Leben immer wieder wollen. 

Traditionell gehören zur Regulierung des Zusammenlebens von Säugetieren zwei grundlegende Verhaltenstendenzen, nämlich erstens die freundliche Zuwendung, die unter anderem bedeuten kann, dass man sich gegenseitig die Läuse aus dem Fell sammelt, und zweitens die Aggression, das Bedrohen oder gar das tatsächliche Schädigen des anderen, das ihn einschüchtern und in die Flucht schlagen kann. Beide Verhaltenstendenzen bilden in den sozialen Kleingruppenverbänden der Säugetiere normalerweise eine funktionelle Einheit (vergl. Irenäus Eibl-Eibesfeldt: "Liebe und Haß"). Die Aggression ist dabei durch die natürliche Selektion immer wieder auf ein geringes Maß reduziert worden, das ungefährlich für die Individuen und die Entwicklung der jeweiligen biologischen Art ist. Auch bei den Menschen dürfte diese funktionelle Einheit in Zukunft in den Kleingruppen- und Nahbereichen erhalten bleiben, etwa indem jemand kurzzeitig auch mal "böse" werden kann, nachdem ihm jemand auf die Zehen getreten hat. Aber in unserer menschlichen Kulturgeschichte ist es bis jetzt, zusammen mit der immer größeren Wirksamkeit der Technik, zu einer ständigen Verstärkung aggressiver Handlungen, vor allem in Kriegen und Wirtschaftskriegen gekommen. Dies wird zwar bisher noch irgendwie ausgeglichen, indem andererseits auch die freundlichen und konstruktiven Möglichkeiten der immer wirksameren Technik gleichzeitig immer bessere Zusammenarbeit bewirken. Aber im Prinzip kann jetzt schon jederzeit eine destruktive Handlung, etwa die Entlassung eines gentechnisch veränderten Lebewesens aus dem Labor, kettenreaktionsartige Selbstverstärkungen von Zusammenbrüchen in unseren natürlichen Lebensgrundlagen auslösen und somit ziemlich plötzlich die ganze menschliche Welt zerstören.

Die Alternative zu unserem Untergang ist, und das kann ich leider hier erst mal nur behaupten, die rechtzeitige Erkenntnis dessen, "was 99,99% der Menschen" von Natur aus im Leben wirklich wollen. Denn unsere Bedürfnisse sind von Natur aus so beschaffen, dass kein Mensch einen anderen in der Befriedigung seiner Bedürfnisse oder in seinem Lebensglück beeinträchtigen muß, um ein vollkommen befriedigendes und glückliches Leben zu erreichen. Zudem sind unsere Bedürfnisse von Natur aus auch noch im Einklang mit der irdischen Natur. Wie sollte es übrigens auch anders sein, wo wir doch sicherlich in evolutionärer Anpassung an die irdische Natur uns entwickelt haben. Und das bedeutet, dass wir gerade nur im Einklang mit der Natur reich und glücklich werden können.

Und das wiederum bedeutet, dass die Erkenntnis unser Bedürfnisse, deren Befriedigung "99,99% aller Menschen" immer wieder wollen, der Schlüssel zu unserem Überleben und zu einem reichen und glücklichen Leben für uns alle in der Zukunft ist. Das habe ich näher begründet in einem Text "Die Lösung des Mensch-Umwelt-Problems", der auf Consenser.org zweimal eingefügt ist; - einmal in der Meinung "Die globale ökologische Wende als Durchbruch der menschlichen Natur im Psychischen". 



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Pragmatischer Ansatz

Verfasst von Schnittmenge am 23. Mai 2009 - 2:07.

Jeder möchte seine organischen Grundbedürfnisse befriedigen, denn tut er das nicht würde er einfach sterben. Ich glaube das will mindestens 99,99% der Menschen nicht.

Es gibt durstige Menschen, die um Wasser kämpfen. Es ist der Überlebensdrang, der sie so handeln lässt. Dieser Konflikt ist sehr schwer aus der Perspektive der durstigen Menschen zu lösen. Aus der Perspektive von einem der Wasser im Überfluss hat, könnte dieses Problem schnell aus der Welt schaffen, aber warum sollte er das tun?

Feindseligkeit kann nur dann entfallen, wenn mindestens die Grundbedürfnisse aller Menschen sichergestellt ist. Im Interesse einer friedlichen Welt sollte eine pragmatische Leidensreduzierung an erster Stelle stehen. Das schafft eine notwendige Voraussetzung, jedoch löst noch nicht das Problem, warum Menschen aneinandergeraten.

Menschliche Entscheidungen laufen im Gehirn nach streng ökonomischen Gesichtspunkten ab: Lieber weniger Alternativen abwägen, Pi-mal-Daumen-Berechnungen anstellen und eher intuitiv entscheiden, als lange zu überlegen. Auch wenn wir eine Situation gründlich durchdenken und rationale Argumente prüfen, entscheiden wir doch immer auch affektiv-emotional z. B., indem wir unsere Erfahrungen mit einbringen.

Viele Beweggründe unseres Handelns kommen aus dem Unbewussten. Noch dazu ist das limbische System in der Lage, Erlebnisse umzuinterpretieren. Eigenes Versagen wird so lange umgedeutet, bis das Bewusstsein mit der neuen Version zufrieden ist.

Wir lieben es mit Menschen zusammen zu sein, die unsere Versionen teilen und empfinden es als kräfteraubend mit Menschen zusammen zu sein, die nicht unsere Versionen teilen. Aus diesen Kräftepaar entstehen Gruppierungen, die sich leider auch manchmal gegenseitig in ihren Lebensglück beeinträchtigen.

Zur Entschärfung dieses Problems brauchen wir eine Gemeinsame Bewusstseinskultur (http://de.consenser.org/node/1733).

In Ihrer Schlussfolgerung (http://de.consenser.org/node/1888) nennen Sie die Gründe, warum theoretisch alle Feindseligkeiten der Menschen entfallen könnten, jedoch halte ich einen Symmetriebruch mit so einem Ausgang für reines Wunschdenken. Ich glaube eine Konzentration auf das Teilziel „Sicherstellung der Befriedigung der organischen Grundbedürfnisse aller Menschen“ währe ein pragmatischer Ansatz, an den wir arbeiten könnten.

Was halten Sie von einem neuen Diskurs "Wie stellt man sicher, dass jeder Mensch seine organischen Grundbedürfnisse befriedigen kann?“

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Was sich pragmatisch nennt, ist nicht deshalb schon pragmatisch

Verfasst von Lutz am 27. Mai 2009 - 12:48.

Jetzt verstehe ich Sie nicht. Was wäre das Neue an einem Diskurs über die Sicherstellung der Befriedigung der organischen Grundbedürfnisse, wo doch schon immer Menschen ganz praktisch darangegangen sind, zum Beispiel den Hunger aus der Welt zu schaffen? Bis jetzt haben diese Aktionen, so nützlich und menschenfreundlich sie auch sind, weder 100% Erfolg gehabt noch unsere Welt grundlegend geändert in dem Sinne, dass sie die ökologische Krise beendet hätte und überlebensfähig geworden wäre.

Andererseits würde ein solcher Diskurs, wenn er ernsthaft angefangen werden würde, unweigerlich zuerst dazu führen, dass "eine gemeinsame Bewusstseinskultur" entsteht, in dem praktisch alle Menschen (alle, die durch ihr Handeln die Entwicklung der Menschheit bestimmen) sich dessen bewusst werden, dass die Alternative zum Untergang der Menschheit darin besteht, dass alle Menschen sich gegenseitig die Befriedigung ALLER ihrer Bedürfnisse ermöglichen, bevor dann ganz schnell auch der Hunger aus der Welt geschafft wird und alle anderen organischen Grundbedürfnisse auch immer wieder befriedigt werden können.

So würde Ihr Diskurs über die Grundbedürfnisse m.E. doch erst mal zu dem Schritt in der Bewusstseinsentwicklung führen, der als großer Symmtriebruch verstanden werden kann, bevor dann dementsprechend das praktische Handeln sich so verändert, dass Menschen sich grundsätzlich auch die Befriedigung ihrer organischen Grundbedürfnisse ermöglichen. Denn das Problem, "warum Menschen aneinander geraten" wird, wie Sie schon angedeutet haben, noch nicht dadurch gelöst, dass alle Menschen ihre Grundbedürfnisse befriedigen können.

Dieses Problem wird eben m.E. dadurch gelöst, dass die Menschen begreifen, dass sie gar keinen Grund haben, sich überhaupt zur Befriedigung aller ihrer eigenen Bedürfnisse über die Interessen anderer Leute hinwegzusetzen und diese an einem vollkommen befriedigenden Leben zu hindern, während dieses sinnlose traditionelle gegenseitige Behindern die Ursache des Untergangs aller Menschen wäre. Pragmatisch wäre es also, den "großen Symmetriebruch" als den fälligen Schritt in der Entwicklung des Bewusstseins der Menschheit auszulösen. Ich verstehe noch nicht, wie Sie darauf kommen, dass Sie das widerlegt hätten.

Dass viele Beweggründe unseres Handelns aus dem Unbewussten kommen, bedeutet bisher zweifellos, dass Menschen sich gegenseitig in ihrem Lebensglück beeinträchtigen. Aber das bedeutet doch noch lange nicht, dass nicht unbewusste Denkfehler die Ursache dafür sind, dass die Menschheit wegen dieser gegenseitgen Beeinträchtigung jetzt noch immer auf eine Untergangskatastrophe zutreibt. Und das bedeutet noch lange nicht, dass diese Denkfehler aufgelöst werden würden, wenn niemand mehr hungern müsste. Es gibt gerade z.B. in Europa allemal genug Menschen, die satt genug sind und auch sonst alle Voraussetzungen haben, um in Ruhe genügend über unsere Welt nachdenken zu können, so dass sie auf die Lösung kommen könnten, die sie begreifen müssten, um in ihrem eigenen Interesse die Welt zu verändern. Diese Menschen brauchen den Anstoss, um in die richtige Richtung zu denken, weil ihre eigene Kreativität nicht ausreicht, um auf die "richtige Richtung" von allein zu kommen (, deren "Richtig oder Falsch" anschließend natürlich nur von ihnen selber beurteilt werden kann).

Vielleicht ist diese Antwort überstürzt, aber ich glaube nicht, dass ich in den nächsten Tagen noch von allein darauf kommen würde, warum Sie Ihren "pragmatischen Ansatz" so vorgeschlagen haben. "Das Sein bestimmt das Bewusstsein", aber das ist keine Einbahnstraße und wir leben in einer Zeit, in der nur eine Befreiung des Denkens und des Bewusstseins aus den wechselseitigen Zwängen der traditionellen Primatengesellschaft jenes neue Bewusstsein ermöglichen kann, das allein nur das Sein verändern kann und uns von dressierten Affen zu frei denkenden Menschen machen kann, die fähig sind, ihren eigenen Interessen gerecht zu werden. Sicherlich hat auch der Versuch, mit dem Sozialismus erst mal das Sein zu verändern, vieles im Bewusstsein verändert. Aber zum Ziel geführt hat uns das eben noch nicht. Und das Entscheidende zu begreifen, das uns aus der existenziellen Krise führt, könnte sogar einem Hungernden relativ leicht gelingen, wenn er nur die Anregung dazu bekommt (... indem er sie sich selber z.B. aus dem Internet holt, denn wir persönlich würden ihm genug zu Essen mitbringen, bevor wir diskutieren, - in dem Punkt haben Sie ganz sicher völlig recht).

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Bottom-up und Top-down

Verfasst von Schnittmenge am 28. Mai 2009 - 17:19.

Was ich mit „pragmatisch“ meinte, ist die Reduzierung des Anspruchs, dass alle Bedürfnisse befriedigt werden, auf die Befriedigung der organischen Bedürfnisse aller. Was natürlich aus heutiger Situation auch unrealistisch erscheint.

Sie haben recht. Wir brauchen zuvor eine Gemeinsame Bewusstseinskultur. Doch diese entsteht nicht aus sich selbst heraus und auch nicht im Diskurs. Es geht nicht um den Diskurs an sich, sondern darum was für Kommunikationsmittel bzw. Modellvorstellung entwickelt werden müssten, damit eine Sicherstellung der Befriedigung der organischen Grundbedürfnisse aller Menschen zur Realität werden kann.

Haben Sie nicht manchmal das Gefühl, dass Sie nicht verstanden werden? Ich schon und das ist normal, denn jeder versucht das „Gesagte“ in seiner Modellvorstellung von der Welt einzubetten. Nach dem sich diese persönlichen Modelle voneinander unterscheiden sind Missverständliche vorprogrammiert.

Eine Unterscheidung zwischen wahren oder falsche Modelle ist nicht sinnvoll. Jedoch kann man verschiedene Modelle in Bezug auf ein Ziel, anhand der jeweils erreichten Effektivität bewerten.

Setzen wir uns das Ziel, dass jeder auf der Welt die Möglichkeit hat, seine organische Grundbedürfnisse zu befriedigen. So gibt es zwei grundsätzliche verschiedene Ansätze, dies zu tun: Bottom-up und Top-down

Bottom-up (Von unten nach oben):
Wenn Sie jemanden aus Ihrer Umgebung kennen der Hunger hat, so geben Sie ihm etwas zu essen. Eine Hilfsorganisation bringt Nahrungsmittel zu Hungernden. Zum Glück gibt es diese Hilfsorganisation, die sich pragmatisch dafür einsetzen, die Anzahl der unter hungerleidenden Menschen zu reduzieren. Doch das reicht nicht, denn es gibt soziale, politische und ethische Faktoren, die Ursache von Leiden sind. Was nützt eine Nahrungsendung in ein Krisengebiet, die von fetten Machtinhabern gegessen wird und die es bräuchten verhungern weiterhin, als ob niemand an sie gedacht hätte.

Top-down (Von oben nach unten)
Ein funktionierender Staat schafft die Rahmenbedingung für seine freien Bürger. Er baut Autobahnen, Bildungseinrichtung und Krankenhäuser. Dies passiert von Top-down. Der Staat treibt Steuern ein und schafft Strukturen, damit eine „selbstregulierende Gemeinschaft“ unter menschlichen Bedingungen funktionieren kann. Deshalb unterstützt der Staat auch Menschen, die aus eigener Kraft Ihr Brot nicht verdienen können.
Ich vertrete die Meinung, dass eine gewisse Grundstruktur geschaffen werden muss, damit ein selbstregulierendes System entsteht, dass eine Leidensreduzierung priorisiert, den ideologischen Kampf entschärft und die Schwarmleistungszahl der Weltgemeinschaft erhöht. Diese Grundstruktur entsteht nicht von alleine. Die Vereinten Nationen sind noch nicht in der Lage diese Grundstrukturen zu schaffen, da die Akteure zu sehr in ihre jeweilig eigenen Modellen gefangen sind (Beispiel: die Anti-Rassismus-Konferenz in April 2009).

Es gibt viele Wege nach Rom. Doch glaube ich an die Effektivität des „Kommunikationswerkzeug Schnittmenge“, dass eine gemeinsame Modell-Schnittmenge bilden wird. Die Einführung dieses Kommunikationswerkzeug wird die Bildung des Bewusstseins vereinfachen, was wir brauchen, damit das passiert was wir alle wollen: Mindestens die Befriedigungen unserer organischen Bedürfnisse ...

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