Menschen sind gierig - deshalb wird es auch weiterhin Finanzkrisen geben

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vom Diskurs-Projekt:
Verfasst von waizalf am 19. März 2009 - 18:24.

Ich bin ja eigentlich ein Optimist und glaube an das Gute im Menschen. In diesem Fall glaube ich jedoch, dass es Finanzkrisen geben wird, solange es Menschen gibt. Gerade Menschen, die eigentlich ohnehin schon viel haben, neigen leider dazu, immer noch mehr zu wollen. Etwas provokativ: Solange es Menschen gibt, wird es durch Gier verursachte Finanzkrisen geben.



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Menschen sind nicht von Natur aus gierig

Verfasst von Lutz am 17. April 2009 - 21:07.

Lieber Alfred Waizenauer,
ich glaube, dass Gier die Folge von unbefriedigten Bedürfnissen auf einem anderen Gebiet ist. Also wenn jemand etwa ein mangelhaftes Selbstwertgefühl hat, weil er sein Hochschulstudium nicht abschließen konnte, während seine Brüder wie auch schon Vater und Großvater mindestens einen Doktortitel haben und wenn alle in der Familie ihn als Versager behandeln, dann kann er eine Art Sucht nach Geld entwickeln, falls er als Geschäftsmann erfolgreich ist. Wesentlich ist, dass die Dosis immer wieder gesteigert werden muß, um einigermaßen von dem Leiden abzulenken und halbwegs Ersatz für die entbehrte Anerkennung zu schaffen. Der arme Mensch erreicht die ersehnte Befriedigung auf diese Weise nie und bleibt geldgierig. Die Ursache für das regelmäßige Auftreten dieses Phänomens ist die allgemeine Unkenntnis der Menschen, die noch nicht wissen, dass es gar keinen Grund dafür gibt, dass Menschen sich gegenseitig ein vollkommen befriedigendes Leben versagen. Aber das dürfte sich in den nächsten Jahren plötzlich radikal ändern. Dafür arbeite (sicher nicht bloß) ich. Und das hier ist mein erster Diskussionsbeitrag auf Consenser.org.
Freundliche Grüße
Lutz von Grünhagen

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Lieber Lutz von

Verfasst von Schnittmenge am 17. April 2009 - 23:59.

Lieber Lutz von Grünhagen,

worauf bauen Sie Ihre These auf, dass sich das in den nächsten Jahren radikal ändern wird?

Saludos,
Schnittmenge

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Warum radikale Änderung zu erwarten ist

Verfasst von Lutz am 18. April 2009 - 7:56.

Lieber Daniel Juling,
ich vermute, dass die Menschheitsentwicklung sich auf einen Punkt höchster Instabilität zubewegt. Und zwar werden einerseits die freundlichen und konstruktiven Verhaltenstendenzen der Menschen immer qualifizierter und gestalten das Leben immer befriedigender und erfreulicher. Dazu gehören u.a. die Fortschritte der Psychologie, und ich glaube, dass die Erklärung für die Gier, die ich hier mit unbeholfenen Worten gegeben habe, etwa dem entspricht, was auch die meisten Psycho-Experten dazu sagen würden. Andererseits werden die Feindseligkeiten zwischen den Menschen und die Zerstörungen, die sie anrichten, in unserer Welt immer größer.

Das ergibt ein Bild von zunehmenden Schwankungen in den Entwicklungstendenzen zwischen konstruktiven und destruktiven Prozessen, die immer widersprüchlicher und chaotischer werden. Je besser Menschen zusammenarbeiten, etwa in einem Krieg, umso effektiver zerstören sie wiederum das Leben anderer. Das wird heute in der globalen Konkurrenz im Wirtschaftsleben immer unübersichtlicher und verwickelter.
Dieses Bild entspricht ungefähr dem Verhalten, das allgemein Systeme zeigen, die sich auf einen Verzweigungspunkt zubewegen. Dort bricht zwangsläufig die Symmetrie, die jeweils zwischen zwei solchen entgegengesetzten, ungefähr gleich großen Tendenzen zu sehen ist. Solche Verzweigungen (auch "Bifurkationen") fand ich zum ersten Mal bei Ilya Prigogine und Isabelle Stengers ("Dialog mit der Natur") beschrieben. Auch bei Hermann Haken ("Synergetik", "Erfolgsgeheimnisse der Natur") habe ich sehr gern solche Symmetriebrüche studiert.

Das paßt auch sehr gut zu meinen persönlichen Erfahrungen im Leben. In meiner Entwicklung gab es einen Bruch der Symmetrie, nachdem ich eine Modellvorstellung von den Antrieben und möglichen erstrebenswerten Zielen eines Menschen entwarf und dann sah, dass die Interessen von Menschen im Grunde völlig miteinander und mit der Erhaltung unserer natürlichen Lebensgrundlagen vereinbar sind. Danach gab es für mich die böse Überraschung, dass gerade in diesem zentralen Punkt das Denken der Menschen regelmäßig systematisch blockiert ist, da sie durch frühere Niederlagen und Misserfolge den Mut verloren haben und sich geradezu weigern, weiter für ein vollkommen befriedigendes Leben zu kämpfen. Viele verderben sattdessen sogar lieber anderen das Leben.
Ich habe schon einige Male sehr eindrucksvoll erlebt, wie bei jemandem diese Denkblockade plötzlich verschwand, und ich bin sicher, dass bei der ganzen Menschheit sich diese Denkblockade auflösen lässt, bevor der Symmetriebruch in Richtung Katastrophe abgeht.
Wenige Menschen können da entscheidend wirken, weil die Systeme an den Verzweigungspunkten, wie gesagt, äußerst instabil sind, so dass ihre Entscheidung von Zufällen und äußert geringen Kräften abhängt.
Es könnte also auch von uns beiden abhängen! - Das sage ich natürlich zu jeder/m meiner lieben MitbürgerInnen.
Viele freundliche Grüße!

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Erhöhen Sie die Wahrscheinlickeit

Verfasst von Schnittmenge am 19. April 2009 - 0:33.

Lieber Lutz von Grünhagen,

Ihre Worte sollten sich nicht hinter einem Meinungs-Beitrag über Gier verstecken. Im Interesse aller, die an einem Verzweigungspunkt wackeln, würde eine kleine Einführung und Diskussion innerhalb einer Consenser.org Experten-Gruppe zu diesem Thema, die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass mehr Impuls in die richtige Richtung gehen.

Ich bitte Sie eine Experten-Gruppe zu starten, kurz in die Themen "Symmetriebruch, Bifurkation, Synergetik, ...) einzuführen bzw. an die richtigen Stellen zu verlinken.

Ich denke eine Consenser.org Gruppe ist der richtige Platz, um Ihr Wissen zu präsentieren (Standpunkte) und uns mit weiterführenden Gedanken (Gruppen-Meinungen) gegenseitig zu befruchten.

Saludos,
Daniel

Hier geht es zu weiteren Kommentaren zu diesen Thema: http://de.consenser.org/node/1686
Hier geht es zur der Gruppe "Ökologische Wende als globaler Symmetriebruch": http://de.consenser.org/node/1888

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Wenn die Gier das Problem ist

Verfasst von Schnittmenge am 19. März 2009 - 18:41.

Wenn die Gier das Problem ist, könnten man folgende Lösungsansätze verfolgen:

a) Wie bringt man die Gier aus dem Menschen?
b) Wie sublimiert man die Gier des Menschen, so dass Sie eine positive Auswirkung hat.
c) Wir kontrolliert man die Gier, damit sie anderen nicht schädigt.